Grenzgänger Europa und seine Nachbarn

Vadim Jendreyko:

Vadim Jendreyko realisiert Filme als Autor und Regisseur und ist als Produzent und Koproduzent tätig. Er ist Mitbegründer der Produktionsfirma Mira Film in Zürich, die seit 2002 Autoren-Dokumentarfilme fürs Kino und Fernsehen produziert, oft in internationaler Koproduktion.

Seine Arbeiten wurden in mehreren Ländern gezeigt, zu Festivals rund um den Globus eingeladen und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er erhielt zweimal den Schweizer Filmpreis für den besten Dokumentarfilm und Nominationen für den Europäischen Filmpreis, den Deutschen Filmpreis und den Grimme-Preis.

Zuletzt realisierte Kinofilme sind „Where the condors fly“ (2012, Produzent), „Die singende Stadt“ (2010, Regisseur), „Die Frau mit den 5 Elefanten“ (2009, Autor, Regisseur und Produzent), „Bashkim“ (2002, Autor und Regisseur).

Vadim Jendreyko ist Mitglied der Europäischen Filmakademie und der Schweizer Filmakademie.
Die Frau mit den 5 Elefanten

Swetlana Geier (1923-2010) galt zu ihren Lebzeiten als die größte Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten hat sie vor kurzem für den Zürcher Ammann Verlag ihr Lebenswerk beendet – die Neuübersetzung der fünf großen Romane von Dostojewskij – genannt die fünf Elefanten. Ihre Arbeit ist von großem sinnlichen Sprachverständnis und kompromissloser Achtung vor den Autoren geprägt. Sie hat den Anspruch, dass die Übersetzung im Kern den Geist des Werkes und das Wesen des Autors treffen muss. Zugleich ist ihr bewusst, dass jede Übersetzung letztendlich unvollkommen und der Zeit ihrer Entstehung verhaftet bleibt.

Swetlana Geiers Leben wurde von Europas wechselvoller Geschichte überschattet: 1923 in der Ukraine geboren, erlebt sie mit 15, wie ihr Vater bei Stalins politischen Säuberungen verhaftet wird, 18 Monate später schwer misshandelt entlassen wird und kurz darauf stirbt. Mit 18 verliert sie ihre beste Freundin, als SS-Kommandos in Kiew 30.000 Juden hinrichten. Während der Besetzung der Ukraine arbeitet sie als Dolmetscherin und wird 1943 mit ihrer Mutter in ein Ostarbeiterlager in Dortmund interniert. Nach dem Krieg bleibt sie in Deutschland, studiert, gründet eine Familie und beginnt, russische Literatur ins Deutsche zu übertragen.

Mit Vadim Jendreyko reist die 85-jährige Frau zum ersten Mal aus ihrer Wahlheimat Deutschland zurück an die Orte ihrer Kindheit in die Ukraine. Der Film verwebt Swetlana Geiers Lebensgeschichte mit ihrem literarischen Schaffen und spürt dem Geheimnis dieser unermüdlich tätigen Frau nach. Er erzählt von grossem Leid, stillen Helfern und unverhofften Chancen – und einer alles überstrahlenden Liebe für Sprache und setzt der Grande Dame der Übersetzung ein würdiges Denkmal.

Buch und Regie: Vadim Jendreyko
Kamera: Niels Bolbrinker, Stéphane Kuthy
Ton: Patrick Becker
Schnitt: Gisela Castronari-Jaensch
Musik: Daniel Almada, Martin Iannaccone
Produktion CH: Mira Film GmbH / Hercli Bundi und Vadim Jendreyko
Produktion DE: Filmtank GmbH / Thomas Tielsch
Koproduktion: ZDF/3sat, Redaktion Inge Classen; Schweizer Fernsehen, Redaktion Urs Augstburger und Marion Bornschier

Gefördert durch:

  • MFG Baden Württemberg
  • Bundesamt für Kultur
  • Fachausschuss Audiovision und Multimedia der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft
  • Volkart Stiftung
  • S. Fischer Stiftung
  • Edith Maryon Stiftung
  • Robert Bosch Stiftung
  • Ernst Göhner Stiftung
  • UBS Kulturstiftung
  • Migros Kulturprozent
  • Focal Stagepool

Filmtrailer

Weitere Informationen

Bildergalerie

„Die Reise in die Ukraine mit der über 80-jährigen Protagonistin bedurfte einer sorgfältigen Vorbereitung. Ich wusste, dass es eine einmalige Gelegenheit war, die sie sich nur einmal bieten wird. Mögliche Drehorte, Kontakte vor Ort und logistische Abläufe habe ich auf einer ersten Reise, die ich alleine unternommen habe, vorab recherchiert. Mit der Protagonistin waren wir dann eine Woche unterwegs: mit dem Zug fuhren wir von Berlin nach Kiew und später weiter nach Dnjepropetrovsk. Mit dem Kameramann habe ich dann eine weitere Fahrt an dieselben Drehorte unternommen, um ergänzende Bilder aufzunehmen. Im Film ist die Reise eine Art Spurensuche, die eine tragende dramaturgische Achse bildet.“