Kulturunterschiede

Zur türkischen und deutschen Kulturenvielfalt
Es ist wichtig sich vor Augen zu führen, dass sowohl in Deutschland als auch in der Türkei eine bunte Kulturenvielfalt zu finden ist. Daher gibt es keinen allgemein gültigen Verhaltenskodex. Es empfiehlt sich bei Reisevorbereitungen für die Türkei bzw. Deutschland, die Teilnehmenden über die Gegebenheiten des speziellen Zielortes zu informieren.
Folgende Verhaltensregeln sollten überall in der Türkei beachtet werden:

Drogen:
In der Türkei sind Konsum und Besitz von Drogen strafbar und werden schwer geahndet.

Alkohol: Alkohol sollte man nicht in der Öffentlichkeit konsumieren, da es für viele Türken pietätlos wirkt. Am besten ist es, wenn die Schülerinnen und Schüler während der Dauer ihres Aufenthaltes bei Familien überhaupt keinen Alkohol trinken, es sei denn, er wird ihnen angeboten. Das Ablehnen des Trinkens von Alkohol wird jedoch nicht als Missachtung der Gastfreundschaft gewertet. Sollten die Schüler dennoch Alkohol trinken wollen, so sollte dies in einer Bar oder in einem Hotel geschehen, wobei darauf geachtet werden sollte, dass der Konsum nicht übermäßig ist. Betrunkene Mädchen könnten in der Öffentlichkeit für ehrlos gehalten werden und eventuell bei Männern unerwünschte Reaktionen provozieren.

Für alle Jungen gilt: Die türkischen Mädchen sind tabu, was bedeuten soll, dass es besser ist, nicht mit ihnen zu flirten oder gar weiter zu gehen. Aus Gründen der Ehre und des Anstands könnten sonst Schwierigkeiten auf den betreffenden Jungen und u.U. auch auf die Gruppe zukommen.

Für alle Mädchen gilt: Auf der Straße sollte nicht geraucht werden und auf öffentlichen Plätzen möglichst nur im Sitzen. Mädchen und Frauen, die laut lachen und sprechen, können unangenehm auffallen oder ihr Verhalten könnte von Männern als „Einladung“ aufgefasst werden und unerwünschte Folgen für sie haben. Sollte ein Strandbesuch eingeplant sein, so sollte nicht „oben ohne“ gebadet werden, da dies als obszön empfunden wird.

Kleidung: Die Kleidung sollte den örtlichen Traditionen möglichst angepasst werden. Auf Shorts, Träger-T-Shirts und Miniröcke sollte in ländlichen Gebieten verzichtet werden.

Körperkontakt: Mit dem Austausch von Zärtlichkeiten zwischen den Geschlechtern muss in Anwesenheit anderer Mitmenschen äußerst sparsam umgegangen werden. Küssen und Streicheln oder intensiver Körperkontakt gehören in der Türkei zum privaten Bereich des Lebens und haben auf öffentlichen Plätzen nichts zu suchen. Wer dies nicht beachtet, könnte unangenehm auffallen.

Umgang mit älteren Menschen: In der Türkei genießen ältere Menschen großen Respekt. Jugendliche sollten in Anwesenheit älterer Menschen nicht laut sein und in ihrer Anwesenheit nicht rauchen. Auch Alkohol ist tabu, wenn ältere Menschen zugegen sind. In öffentlichen Verkehrsmitteln sollten Jugendliche alten Menschen ihren Sitzplatz anbieten.

Schuhe: Bei Hausbesuchen sollten die Schuhe ausgezogen werden, wenn es nicht ausdrücklich gewünscht wird, sie anzulassen. Auch in diesem Fall ist es aber eine höfliche Geste, sich an die Sitte zu halten.

Naseputzen: In Anwesenheit anderer Menschen sollte das Naseputzen nicht hörbar sein. Die Nase darf nur in geschlossenen Räumen, am besten im Bad oder WC, geputzt werden. Am Esstisch ist dies besonders verpönt. Wer das nicht beachtet, könnte bei den Türken Ekel erregen.

Einladungen: Gäste werden in Cafés, zum Restaurantbesuch oder manchmal sogar beim Einkaufen eingeladen, obwohl der Gastgeber dadurch nicht selten finanziell überfordert wird. Daher sollte sich der Gast in solchen Situationen nicht immer einladen lassen, sondern auch mal selbst in die Tasche greifen und den Gastgeber einladen.

Gastgeschenke: Gastgeschenke für die Gastfamilie sind als kleine Geste der Aufmerksamkeit immer willkommen.

Reiseverhalten der Kinder und Jugendlichen: Jugendliche in der Türkei reisen gern. Nach eigenen Angaben schätzen sich Jugendliche, die im Rahmen eines Jugendaustauschprogramms ins Ausland gehen, sehr glücklich. Das Reisen ins Ausland ist aber aufgrund der damit verbundenen Kosten nicht für alle erschwinglich. Die beliebtesten Reiseziele der Jugendlichen aus der Türkei sind Europa und die USA. Die Reise nach Deutschland hat einen besonderen Stellenwert. Auch ist Deutschland der wichtigste Jugendaustauschpartner der Türkei. Türkische Jugendliche, die Deutschland besuchen, zeigen sich oft sehr beeindruckt und sind meistens angenehm überrascht. Nur die europäische Küche - ausgenommen Fastfood - kann sie häufig nicht begeistern. Mit Ägypten, Palästina, Japan, Nordzypern, Litauen, Norwegen und einigen Turkstaaten bestehen ebenfalls internationale Kontakte.

Kultur und Alltag: Viele Menschen in Europa haben eine Vorstellung von der Kultur und dem Alltag in der Türkei, die nicht der Wirklichkeit entspricht. Die Türkei ist von europäischen, asiatischen, islamischen und modernen Vorstellungen geprägt. Das Leben und die Verhaltensnormen der Menschen im öffentlichen Raum in der Türkei weisen kaum nennenswerte Unterschiede zu denen in Mitteleuropa auf. Die Höflichkeitsformen, die in Deutschland im Miteinander auf Straßen, in Geschäften, Ämtern oder sonstigen öffentlichen Räumen gelten, sind auch in der Türkei durchaus üblich, vor allem in den Städten. Kleine Abweichungen können allerdings auftreten, etwa wenn man sich im ländlichen Raum oder in einer konservativen Region bewegt. Die türkische Jugend verhält sich mehrheitlich konform und gesetzestreu.

Gastfreundschaft: Im Allgemeinen sind die Menschen in der Türkei außerordentlich kontaktfreudig und gastfreundlich. Auch Fremde werden zum Tee, zum Essen oder zu einem Besuch nach Hause eingeladen und gut bewirtet. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, einen Gast zu beherbergen. Die Ablehnung solcher Einladungen kann für den Einladenden kränkend sein. Besonders junge Gäste werden als Teil der Familie betrachtet und entsprechend fürsorglich behandelt. Man fühlt sich sehr verantwortlich und ist gemeinsam mit Verwandten und Nachbarn, denen der Gast im Vorfeld bereits freudig angekündigt wurde, bemüht, den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten.
Folgende Verhaltensregeln sollten überall in Deutschland beachtet werden:

Drogen: In Deutschland sind Konsum und Besitz von Drogen strafbar und werden schwer geahndet.

Rauchen:
Das Rauchen in allen Lebenslagen ist in Deutschland nicht selbstverständlich. An vielen Orten ist es nicht gestattet oder zumindest nicht erwünscht (z.B. im Bus oder in Seminarräumen, in Behörden, Banken etc.). Wenn Aschenbecher herumstehen, darf man normalerweise rauchen. Wenn kein Aschenbecher zu sehen ist, fragt man am besten, ob man rauchen darf. Die Deutschen werden ehrlich sagen, ob dies in Ordnung ist oder nicht. Es gilt als unhöflich, beim Essen zu rauchen, man raucht erst dann, wenn alle am Tisch fertig gegessen haben. Wenn man gar nicht mehr warten kann, fragt man, wo man am besten rauchen kann.

Kommunikation: Wenn man nach der eigenen Meinung gefragt wird, darf man sie ehrlich äußern - natürlich ohne verletzend zu werden.

Entscheidungsfreiheit: Wenn jemand etwas anbietet, kann man es entweder höflich ablehnen oder annehmen. Beides ist in Ordnung.

Frauen: Viele Frauen in Deutschland rauchen in der Öffentlichkeit, sitzen allein in Kneipen und trinken Bier oder lachen und reden laut. Das sagt nichts über ihre Moral oder ihren Lebenswandel aus.

Jugendliche: In Deutschland ist es normal, wenn Jugendliche auf der Straße rauchen, sich küssen oder Zärtlichkeiten austauschen und Erwachsene wie ihresgleichen behandeln. Daraus ist nicht zu schließen, dass diese Jugendlichen schlecht erzogen oder verwahrlost sind. Sie sind einfach nur an andere Regeln gewöhnt.

Pädagogik: In der Pädagogik sind Entfaltung der Persönlichkeit, positive Bestärkung, Orientierung an den Bedürfnissen und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen wichtige Prinzipien. Im Vordergrund steht eine Erziehung zu eigenständigem Denken und Kritikfähigkeit, zu Demokratie und Toleranz. Werte wie Disziplin, Leistung Sauberkeit und Ordnung hingegen spielen zumindest außerhalb der Schulen eine nicht ganz so wichtige Rolle. Natürlich gibt es regionale Unterschiede, zum Beispiel zwischen Stadt und ländlichen Gebieten.

Schüler-Lehrer-Verhältnis: Anders als in vielen anderen Ländern verläuft der Unterricht in Deutschland sehr förmlich. Außerhalb des Klassenzimmers besteht nur selten Kontakt zwischen Schülern und Lehrern.

Hierarchien sind auf den ersten Blick nicht deutlich erkennbar. Generell ist der Umgang der Menschen in Deutschland eher locker, es gibt wenig feste Höflichkeitsformen. Dennoch sind Hierarchien vorhanden und es gibt Grenzen im Umgang mit Gruppenleiter/innen, Vorgesetzen oder Ranghöheren, die allerdings manchmal nicht auf Anhieb offensichtlich sind.

Reiseverhalten der Kinder und Jugendlichen: Heranwachsende in Deutschland können aus einer großen Anzahl von Reiseangeboten auswählen. Junge Leute organisieren ihre Reise am liebsten selbst. Rund drei Viertel der 14- bis 19-Jährigen unternehmen jährlich eine längere Urlaubsreise. Spanien und Frankreich liegen als Urlaubsziele ganz weit vorne. Spontane Reisewünsche der jungen Leute werden vielfach durch preiswerte Last-Minute-Flüge befriedigt. Reiseentscheidungen werden nach der Lektüre von Reise- und Jugendzeitschriften oder nach Gesprächen mit Freunden und Freundinnen getroffen. Jugendliche möchten im Urlaub vor allem Spaß haben, etwas erleben und neue Leute kennen lernen.

Zum Wertesystem der Jugend: Die 15. Shell-Jugendstudie 2006 stellt heraus: Jugendliche haben ein hohes Maß an Bewusstsein für die großen Themen der Gesellschaft. Sie stellen sich Herausforderungen, suchen eine Lösung und lassen sich dabei nicht entmutigen. Jugendliche haben großen Respekt vor der älteren Generation. Sie sehen ihre Zukunftsaussichten heute als ungewisser an als noch vor vier Jahren. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Familie wieder stärker an Bedeutung. 72 Prozent der Jugendlichen sind der Meinung, dass man eine Familie braucht, um wirklich glücklich leben zu können. Fast drei Viertel der befragten Jugendlichen (73 Prozent) von 18 bis 21 Jahren leben noch bei ihren Eltern. Die aktuelle Studie zeigt, dass die Jugendlichen heute über ein stabiles Wertesystem verfügen.

Familienleben: Das Familienleben in Deutschland ist häufig davon geprägt, dass beide Elternteile berufstätig sind. Dies erfordert eine gute logistische Organisation von Familienleben und Beruf. Anders als ihr Ruf sind viele Deutsche sehr familienorientiert. Gerade die Mütter versuchen meist, allen gerecht zu werden. Die Kinder werden normalerweise liebevoll zu Selbständigkeit erzogen, lernen sich an bestimmte Regeln zu halten und erhalten in gewissem Rahmen Verantwortung und Freiheiten. Selbstverständlich möchten auch deutsche Eltern, dass sich ihr Kind sicher und glücklich fühlt und tun ihr Bestes dafür. Es ist darauf zu vertrauen, dass die Familien, die eine/n Gastschüler/in aufnehmen, sich alle Mühe geben werden, es dem Gast angenehm zu machen.
Quellenhinweis
Die vorliegende Arbeitshilfe basiert auf der Erfahrungsgrundlage verschiedenster Institutionen, Vereine, Privatpersonen etc., zu denen nähere Informationen unter dem Menüpunkt „Links“ zu finden sind. Besonders hingewiesen sei auf die aktuellen Arbeitshilfen der “Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.“ (IJAB) und das „Handbuch zum deutsch-türkischen Jugendaustausch“ der Körber-Stiftung, welches jedoch nicht mehr im Handel erhältlich ist.