Robert Bosch Kulturmanager in der arabischen Welt

Die Aufgaben der Kulturmanager

Kultur- und Bildungsangebote im Sinne der Völkerverständigung

Die Stipendiaten vermitteln mit ihren innovativen Projekten ein aktuelles Deutschlandbild im Gastland und begeistern Menschen für die deutsche Kultur. Als Gast einer Kultureinrichtung gestalten sie Kooperationen zwischen dem Gastland und Deutschland und auch innerhalb der Region.

Die Kulturmanager organisieren Ausstellungen, Musikveranstaltungen, Workshops, Vorträge und Theaterprojekte, beschäftigen sich mit Fundraising und Drittmittelakquise und kümmern sich um Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Ihre Arbeit gestaltet sich dabei je nach Standort ganz unterschiedlich.

Das Stipendium der Robert Bosch Stiftung gibt den Stipendiaten die Gelegenheit, eine praxisnahe Weiterqualifizierung im internationalen Kulturmanagement zu absolvieren und sich als Fachkräfte im Bereich des internationalen Kulturaustausches zu etablieren.

Einblicke in die Arbeit der Kulturmanager

Kulturmanagerin Esther im Gespräch mit einer Gruppe

Anfangen - Esther Wagner über das Ankommen im Land und im Arbeitsalltag

"Kairo gibt einem sehr viel und fordert sehr viel", sagt Esther Wagner (re.) über ihre neue Heimat, in der sie als Kulturmanagerin lebt. Man könne jahrelang hier leben und immer noch Neues entdecken, aber der Lärm und die vielen Menschen seien natürlich auch anstrengend. Ganz wichtig für Esther ist die Sprache: "Ich fühle mich hier sehr sicher und sehr wohl. Dadurch, dass ich Arabisch spreche, kann ich...

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...mich hier sehr frei und selbstsicher bewegen. Ich weiß zum Beispiel, dass ich einfach nach dem Weg fragen kann, wenn ich mich mal verirre."
 

Verantwortung tragen

Esther kennt Kairo aus der Studentenzeit, aber das Leben als Kulturmanagerin ist ganz anders: "Am meisten gewöhnen musste ich mich an die Verantwortung. Das was ich mache, betrifft jetzt nicht nur mich, sondern auch meine Stipendiengeber, Partnerorganisationen oder das Publikum vor Ort."

Eine Vertrauensbasis schaffen

Der Kompromiss zwischen der Rolle als Kulturmanagerin und Privatperson ist eine der größten Herausforderungen: "Wir sind alle Mitte 20 und kommen von außen in bestehende Strukturen. In anderen Arbeitsfeldern wäre ich vielleicht nicht darauf aus, mit Kollegen auch private Kontakte zu pflegen, aber da wir sehr viel über das Land und die Gesellschaft lernen wollen, ist genau das spannend. Deswegen suche ich mir Partnerorganisationen aus, wo ich mich gut fühle und schnell eine Vertrauensbasis erreiche."

Ein Zuhause finden

Die Motivation der Ägypter hat Esther von Anfang an sehr beeindruckt: "Obwohl es immer wieder Grenzen gibt für die Kulturarbeit, gibt es viele Ägypter, die Dinge auf die Beine stellen wollen und die ‚Sisyphusarbeit‘ nach der Revolution machen wollen."

Als Kulturmanagerin will sie sich nicht nur persönlich im Projektmanagement weiterqualifizieren, sondern vor allem diese Arbeit unterstützen. Dafür pendelt sie zwischen Kairo und der Region im nördlichen Oberägypten: "Wenn ich über Heimat nachdenke, ist das zweigeteilt. Wir Kulturmanager wohnen alle in Kairo, aber mein Herz ist eher in El Minya oder Asyut. Dort sind meine professionellen Kontakte und auch Freunde."

(Foto: Amr Rabie)

Kulturmanagerin Helene mit Gruppe

Neue Wege gehen - Hélène Aury über die Organisation eines großen Projektes

"Es geht nicht darum, den eigenen Lebenslauf mit Projekten vollzuschreiben." Hélène Aury (2. v. re.) sieht sich als Kulturmanagerin in der Rolle der Vermittlerin - zwischen ägyptischen Organisationen in der Stadt und auf dem Land und zwischen Künstlern und der Bevölkerung. Mit sozialem Zirkus brachte sie die Bevölkerung in der Stadt und auf dem Land mit internationalen Künstlern zusammen. Für viele...

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...der ägyptischen Zuschauer war der Besuch der Zirkusvorstellung der erste Kontakt zu Ausländern.
 

Ein Zirkus der besonderen Art

Jeweils fünf deutsche, französische und ägyptische Zirkuskünstler kamen mit Amateuren aus der Provinz zusammen. Gemeinsam tourten sie zehn Tage lang rund um das Nildelta und gaben dabei auch Workshops für Kinder und Jugendliche.

"Je mehr Kontakt und Austausch möglich ist, desto mehr freuen sich die Leute und wollen die Veranstaltung auch groß machen", sagt Hélène. Bei der Tournee im Herbst 2016 kamen über 5.500 Zuschauer zu den Vorstellungen, hauptsächlich Familien und Kinder. Im Dorf Abu Mangug kamen sogar Zuschauer aus den Nachbardörfern, um sich die Aufführung anzuschauen.

Die Organisation – der öffentliche Raum als Herausforderung

"Es wird immer schwieriger im öffentlichen Raum Veranstaltungen durchzuführen", sagt Hélène. "Viel findet privat statt und nicht auf großen Plätzen, vor allem in kleinen Städten."

Nicht nur die Organisation einer Spielstätte ist eine Herausforderung, auch das Thema der Kulturarbeit: "Politik und Religion werden als Themen nicht angetastet. Man weiß außerdem nie, wie die Bevölkerung auf eine Gruppe Ausländer reagiert. Wir bewegen uns teilweise in einer sehr konservativen Region." Umso wichtiger ist für sie die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern.

Nachhaltige Wirkung erzielen

Es sollte etwas bleiben vom sozialen Zirkus, das war Hélène wichtig: Bei den Workshops bauten die Teilnehmer Musikinstrumente aus Plastikflaschen, die mitgebrachte Slackline war ein Geschenk. Auch der Austausch der internationalen Künstler und Kulturinstitutionen soll weitergehen, wenn nach der Vorstellung der Vorhang fällt.

(Foto: RBKM)

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