Egal ob Pro oder Contra - auf Argumente und Redegewandtheit kommt es an
Soll in Baden-Württemberg der Unterricht an Schulen erst um 9 Uhr beginnen? Vier Schüler der Klassen 8-10 diskutieren diese Frage wortgewandt im Stuttgarter Rathaus. Sie haben bereits zahlreiche Debatten in ihren Schulen und Schulverbänden gewonnen und stellen sich nun dem Landesfinale von Jugend debattiert in Baden-Württemberg. Sie wirken erstaunlich gelassen und gut vorbereitet. Erst am Vormittag wurde festgelegt, wer von ihnen die Pro- und wer die Contra-Seite vertreten wird.
Nun ist es 13.30 Uhr und die Debatte ist eröffnet. Wie können optimale Bedingungen für Schüler geschaffen werden? Wie verhält es sich mit dem Konzept der Ganztagsschule? Kann man einen höheren Personalaufwand und Betreuungskosten für Grundschüler rechtfertigen? Am Ende überzeugen Marc Helmer vom Gymnasium Münsingen (1. Platz) und Franziska Rauber vom St. Ursula Gymnasium in Freiburg (2. Platz) die Jury mit ihren Argumenten für einen späteren Schulbeginn. Gewonnen haben sie ein mehrtägiges Rhetorik-Seminar bei professionellen Trainern.
„Debattieren bringt extrem viel“, sagt Marc. Er ist sich sicher, dass ihm seine Debattierfähigkeit nicht nur im privaten Bereich, sondern auch bei Berufswahl und Karriere weiterhelfen wird. Der Spaß steht für ihn allerdings an erster Stelle. Das betont auch Franziska. Ihr ist es sehr wichtig, durch das Debattieren Leute kennenzulernen und Meinungen auszutauschen. Beide Schüler sind dank der Initiative eines Lehrers zum Debattieren gekommen: Franziska im Gemeinschaftskundeunterricht, Marc wurde durch seinen Französischlehrer auf die Rhetorik-AG seiner Schule aufmerksam gemacht. Obwohl er erst seit Anfang des Schuljahres dabei ist, hat er nun bereits den ersten Platz des Landesfinales erreicht.
In der Altersgruppe der Jahrgangsstufen 11-13 nehmen ebenfalls vier Schüler am Landesfinale in Stuttgart teil. Nachdem die Sieger der Mittelstufe feststehen, stellen sie sich der Frage: „Sollen die Medien die Berichterstattung über Gewalttaten erheblich einschränken?“ Keine einfache Debatte, die hier auf einem extrem hohen Niveau geführt wird. Schlagkräftige Argumente und überzeugende Vorschläge wie zum Beispiel die Einrichtung eines Medienrates zeigen, wie intensiv sich die Schüler mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Darüber hinaus nutzen sie sehr geschickt Beispiele aus der Medienberichterstattung, um die eigenen Positionen zu unterstützen. Die Entscheidung fällt der Jury sichtlich schwer. Auf dem ersten Platz landet schließlich Simon Drescher vom Gymnasium Haigerloch, auf dem zweiten Platz Marian Schreier vom Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart.
Die Erst- und Zweitplatzierten beider Altersgruppen werden Baden-Württemberg am 20. Juni 2009 beim Bundesfinale in Berlin vertreten. Gewonnen haben jedoch letztlich alle Teilnehmer. Mareike Claus, Projektleiterin von „Jugend debattiert“, erklärt, dass der gesamte Wettbewerb letztlich mit einem Eisberg vergleichbar sei: Er funktioniert im Verborgenen, das meiste passiert in den Schulen, im Unterricht. Es geht vor allem um Verständigung und um Demokratie. Im Fokus stehen die sprachliche und politische Bildung ebenso wie Meinungsbildung und die Entwicklung der Persönlichkeit. Gabriele Müller-Trimbusch, Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit der Landeshauptstadt Stuttgart, bezeichnet das Debattieren daher auch klar als Basis der Demokratie und als Königsdisziplin der Rhetorik.
(Judith Weyer, Mai 2009)
Informationen zum Landeswettbewerb 2009
Der Wettbewerb wird in Baden-Württemberg von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden Württemberg und dem Südwestrundfunk, DASDING, getragen.
Die Sieger im Landeswettbewerb Jugend debattiert Baden-Württemberg 2009:
Klassen 8 bis 10:
1. Platz: Marc Helmer, Gymnasium Münsingen
2. Platz: Franziska Rauber, St. Ursula Gymnasium, Freiburg
3. Platz: Paul Sander, Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, Stuttgart
4. Platz: Raphael Öttinger, Kolleg St. Sebastian, Stegen
Jahrgangsstufen 11 bis 13:
1. Platz: Simon Drescher, Gymnasium Haigerloch
2. Platz: Marian Schreier, Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, Stuttgart
3. Platz: Maximilian Horn, Hans und Sophie Scholl-Gymnasium, Ulm
4. Platz: Lisa Tamble, Hebel-Gymnasium, Pforzheim