Robert Bosch Juniorprofessur Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Dr. Asia Khamzina

Robert Bosch Juniorprofessur 2009 an Dr. Asia Khamzina

„Vielen Dank, dass Sie mich zur Millionärin gemacht haben!“ Mit diesen Worten begann die junge Forscherin Dr. Asia Khamzina ihre Dankesrede am 6. März 2009 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Unter zahlreichen hochqualifizierten Bewerbern aus der ganzen Welt ist sie als Robert Bosch Juniorprofessorin 2009 ausgezeichnet worden. Sie erhält damit bis zu eine Million Euro für fünf Jahre eigenständiger Forschung im Bereich der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen.

Dr. Khamzina überzeugte das Auswahlgremium unter dem Vorsitz des ehemaligen Direktors des UN-Umweltprogrammes, Professor Klaus Töpfer, mit herausragenden wissenschaftlichen Leistungen, persönlicher Reife und einem ehrgeizigen Forschungsprojekt.

Die Robert Bosch Juniorprofessorin 2009 beschäftigt sich mit einem äußerst fragilen Ökosystem - dem Aralsee. Düngung und Bewässerung landwirtschaftlich genutzter Anbauflächen in dieser Region führen zu einer Versalzung der Böden und damit zu einer zeitlich begrenzten Nutzbarkeit. Ab Mitte 2009 wird die Robert Bosch Juniorprofessorin untersuchen, wie dieser Zyklus in Zentralasien durchbrochen werden kann, um langfristig auch eine Verbesserung der globalen CO2-Bilanz zu erreichen. Als Gastinstitution hat sie das Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn gewählt.

Mit ursprünglich rund 68.000 km² war der Aralsee der viertgrößte Binnensee der Erde. Die seit ca. 1960 zunehmende Austrocknung des Sees stellt weltweit eine der größten vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen dar.

Asia Khamzina möchte mit ihrer Arbeit die Versteppung ganzer Landstriche nicht nur aufhalten, sondern einen Mehrwert schaffen. Sie will jene ökologischen, ökonomischen und institutionellen Bedingungen identifizieren, die eine Wiederaufforstung der degradierten Flächen ermöglicht. Langfristig könnte dies zentralasiatischen Ländern wie Usbekistan oder Kasachstan ermöglichen, am Prozeß des Clean Development Mechanism (CDM) des Kyoto-Protokolls teilzunehmen.

Im Anschluß an die Verleihung der Juniorprofessur diskutierten hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft im zweiten Teil des Festaktes die Frage „Macht uns der Klimawandel krank?“.

„Gegen den Klimawandel helfen keine Pillen. Dazu braucht es entschiedener nationaler und globaler Maßnahmen zum Umweltschutz.“ forderte z.B. Susanne Weber-Mosdorf, stellvertretende Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation WHO. Auch Professor Rainer Sauerborn, Direktor der Abteilung für Tropenhygiene und öffentliches Gesundheitswesen am Hygiene-Institut der Universität Heidelberg, warnte: „Der Klimawandel wird erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben, vornehmlich in Entwicklungsländern. Wir müssen nicht auf im Meer versinkende Küstenstädte warten, um die Folgen globaler Umweltveränderungen zu spüren.“ Die lebhafte Diskussion endete mit der Feststellung, dass die Wechselwirkungen zwischen globalen Umweltveränderungen und menschlicher Gesundheit stärker als bisher erforscht werden müssen.

Bilder der Preisverleihung

Max Lautenschläger
Auftakt - Prof. Dr. Klaus Töpfer (li.), Bundesumweltminister a.D. und ehemaliger Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, und Björn Graf Bernadotte, Geschäftsführer der Lennart-Bernadotte-Stiftung.
Max Lautenschläger
Begrüßung - Dr. Ingrid Hamm begrüßte die Gäste zu Preisverleihung und Podiumsdiskussion.
Max Lautenschläger
Erste Reihe - (v.l.n.r.) Susanne Weber-Mosdorf, Vize-Direktorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, Prof. Dr. Klaus Töpfer, Preisträgerin Dr. Asia Khamzina, Dr. Christof Bosch, Mitglied des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung, und Dr. Ingrid Wünning Tschol, Bereichsleiterin der Stiftung.
Max Lautenschläger
Verleihung - Den Preis überreichten Dr. Christof Bosch (li.), Mitglied des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung, und Prof. Dr. Klaus Töpfer (re.) an Dr. Asia Khamzina.
Max Lautenschläger
Lautstark - Musikeinlage des Damenorchesters mit Tuba, Saxophon, Trommel und Megaphon.
Max Lautenschläger
Leibniz-Saal - Die Preisverleihung fand im Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften statt.
Max Lautenschläger
Macht uns der Klimawandel krank? - Susanne Weber-Mosdorf diskutierte diese Frage mit Prof. Dr. Dr. Peter Höppe (re.), Leiter des Bereiches GeoRisikoForschung der Münchener Rückversicherungsgesellschaft, und Prof. Dr. Rainer Sauerborn (li.), Leiter der Abteilung für Tropenhygiene und öffentliches Gesundheitswesen am Hygiene-Institut der Universität Heidelberg. Die Moderation übernahm Romanus Otte, stellvertretender Chefredakteur "Welt am Sonntag".
Max Lautenschläger
Podiumsdiskussion - Susanne Weber-Mosdorf beantwortet Fragen von Romanus Otte.

Kurzportrait

Dr. Asia Khamzina, 1977 geboren, studierte Hydrotechnologie in Taschkent/Usbekistan und promovierte 2006 am Zentrum für Entwicklungsforschung Bonn (ZEF). Seit 2002 forscht sie in Usbekistan zu Wiederaufforstungsmöglichkeiten degradierter landwirtschaftlicher Flächen. Als Robert Bosch Juniorprofessorin untersucht sie am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) Bonn mit ihrer Nachwuchsforschergruppe, wie Wiederaufforstung in Zentralasien zur Verbesserung der globalen CO2-Bilanz beitragen kann.
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Erdboden in Khorezm (Usbekistan)
Foto: Asia Khamzina
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Robert Bosch Juniorprofessorin Dr. Asia Khamzina bei der Arbeit
Foto: Asia Khamzina
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"Schiffsfriedhof" - Muynak (Karakalpakstan), einst der Fischerhafen des Aralsees
Foto: Ahmad Manschadi