Grenzgänger

Esther Kinsky:

Esther Kinsky, geboren 1956, studierte Slawistik und Anglistik in Bonn und Toronto. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin und Battonya (Ungarn) als Übersetzerin wissenschaftlicher und literarischer Texte aus dem Polnischen, Englischen und Russischen. Für ihre Arbeit wurde sie mit Förderungen des Deutschen Übersetzerfonds, dem Brücke Berlin Preis 2002 und dem Paul-Celan-Preis 2010 ausgezeichnet. 2011 erhielt Esther Kinsky den Karl-Dedecius-Preis für Übersetzer polnischer Literatur ins Deutsche. 2014 veröffentlichte sie den Roman Am Fluß, der ebenso wie ihr Roman Banatsko (2011) auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand, und 2015 mit dem deutsch-französischen Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet wurde. In diesem Jahr wurde ihr ebenfalls der Kranichsteiner Literaturpreis zuerkannt. 2016 erhielt Sie den Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung.
Banatsko

Beim Lesen drosselt man unweigerlich das Tempo, Kinskys poetische Sprache zieht den Leser in ihren Bann: Wortschöpfungen, ausgesuchte Adjektive, vergessen geglaubte Wörter. Scheinbar banalen Dingen wird ungeahnte Aufmerksamkeit zuteil. "Banatsko" ist die Feier einer Landschaft, des nördlichen Banat. Noch nie wurde dieses Niemandsland zwischen Ungarn, Serbien und Rumänien mit einem so liebevollen Blick betrachtet, seine melancholische Poesie so zum Blühen gebracht. Während der Leser die Autorin in die halbverfallenen Straßenzüge der Kleinstadt Battonya und die sie überwuchernde Natur begleitet, erzählt sie von einem alten Kino, den Dorfbewohnern, einer Liebschaft und der langsamen Eroberung des eigenen Zuhauses in dieser neuen Welt.

"Die Autorin macht ihre Grenzlandreflexionen zu einem Ereignis der Sprache. Man riecht, schmeckt, hört, sieht dieses Land, weil Kinsky es wie ein Fotoalbum langsam durchblättert." Anja Hirsch, FAZ 22.1.11

Banatsko
Roman
Matthes und Seitz, Berlin, Januar 2011
ISBN: 978-3-88221-723-0

"Banatsko" ist das zweite Buch, das als Ergebnis einer 2006 durchgeführten Recherchereise im Grenzgebiet von Ungarn, Rumänien und Serbien entstanden ist. Die Autorin hatte sich für einige Zeit im ungarischen Banat im Ort Battonya niedergelassen. Über einen Zeitraum von fünf Monaten wechselten Reise- und Bearbeitungsphasen. "Ich wollte die Wahl der Orte, über die ich schrieb, ganz bewusst dem Zufall überlassen". Nach Kinskys Überzeugung ist der Banat eine Kulturregion, die es wiederzuentdecken gilt.
Sommerfrische

„Sommerfrische“ ist eines von zwei Büchern, die als Ergebnis meiner 2006 durchgeführten Rechrchereise im nördlichen Banat entstanden sind. Diese Reise führte mich etliche Male durch das Grenzgebiet von Ungarn, Rumänien und Serbien, eine Gegend, die sich bis 1939 durch eine besondere ethnische und sprachliche Vielfalt auszeichnete. Im Unterschied zu dem für Frühjahr 2010 (ebenfalls Matthes und Seitz) geplanten „Banatsko“, das als vielschichtige Spurensuche und Bestandsaufnahme dieser heute von einschneidenden Grenzen geprägten Gegend angelegt ist, beschäftigt sich „Sommerfrische“ in Form eines Romans vor allem mit der ungarischen Seite. Schauplatz des Romans ist das ungarisch-rumänische Grenzgebiet zwischen den Flüssen Maros und Tisza und insbesondere eine für das von Flüssen geprägte Ostungarn typische Ferienkolonie. Diese Ferienkolonien, die sich vor allem am ganzen Verlauf der Tisza von der ukrainischen bis zur serbischen Grenze finden, haben mich besonders deshalb fasziniert, weil dort die Zeit auf eine merkwürdige Weise seit Jahrzehnten stillzustehen scheint. 

Sommerfrische
Roman
Matthes und Seitz, Berlin, Februar 2009
ISBN: 978-3-88221-722-3
Esther Kinsky erkundete im Jahr 2006 das Dreiländereck Ungarn, Rumänien und Serbien im nördlichen Banat, unter Berücksichtigung der jahrhundertelangen multiethnischen Tradition.

"Ich glaube es bedarf einer sehr intensiven Auseinandersetzung mit einer fremden Region, bevor man sich auf eine Weise dazu äußern kann, die dem fremden Leben gerecht wird. Überall habe ich offene, kontaktfreudige Menschen angetroffen, die mit großer Bereitschaft über ihr Leben erzählten."