Grenzgänger

Sibylle Lewitscharoff:

Sibylle Lewitscharoff, 1954 in Stuttgart geboren, studierte Religionswissenschaften in Berlin, lebte in Buenos Aires und Paris. Sie arbeitete zunächst als Buchhalterin in einer Werbeagentur und sattelte dann auf freie Autorin um. Sie verfasste Radiofeatures und Hörspiele und hat ein Grammatik-Brettspiel erfunden. 1994 veröffentlichte sie ihr erstes Buch. Für Pong erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis. 2007 wurde sie mit dem Preis der Literaturhäuser ausgezeichnet, 2008 mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis, 2009 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für Apostoloff. Im Jahr 2010 wurde sie mit dem Berliner Literaturpreis ausgezeichnet, 2011 folgte der Wilhelm-Raabe-Preis, 2013 der Büchner-Preis.
Apostoloff

Zwei Schwestern. Die eine auf der Rückbank, die andere auf dem Beifahrersitz, die eine scharfzüngig und kampflustig, die andere nachsichtig und höflich: Sie sind unterwegs im heutigen Bulgarien. Auf der ersten Hälfte ihrer Reise waren sie Teil eines prächtigen Limousinenkonvois, der die Leichen von 19 Exilbulgaren – in den Vierzigern von Sofia nach Stuttgart ausgewandert – in ihre alte Heimat überführte. Darunter der frühverstorbene Vater der Schwestern. Jetzt sind sie Touristinnen, chauffiert vom langmütigen Rumen Apostoloff. Er möchte den beiden die Schätze seines Landes zeigen, die Keramik mit Pfauenaugendekor, die Schwarzmeerküste, die Architektur. Apostoloffs Vermittlungsversuche zwischen Sofia und Stuttgart sind zunächst wenig erfolgreich. Denn das bulgarische Erbe der Schwestern wiegt schwer – wenn der Vater, der erfolgreiche Arzt und schwermütige Einwanderer, in ihren Träumen auftaucht, schlängelt das Ende des Stricks, an dem er sich erhängt hat, noch hinter ihm her. Sibylle Lewitscharoffs autobiografisch inspirierter Roman ist eine Suada von der Rückbank, die bissige, rabenschwarze und erzkomische Abrechnung einer Tochter mit dem Vater und seinem Land.

Roman
245 Seiten, gebunden
Suhrkamp, Februar 2009 
ISBN: 978-3-518-42061-4

Weitere Informationen

Die Autorin war 2006 auf den Spuren ihrer Kindheitserinnerungen und Familiengeschichte in Bulgarien unterwegs, hat Gespräche mit in Deutschland lebenden bulgarischen Emigranten geführt und historisches Material recherchiert. Um Zugang zum religiösen Leben in Bulgarien zu finden, führte sie die Reise auch zu verschiedenen Klöstern.