Grenzgänger

Renate Eichmeier:

Renate Eichmeier, geboren 1964, hat Germanistik und Geschichte studiert, Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und im Bereich Programmentwicklung und Marketing mit Studenten aus aller Welt gearbeitet. Zahlreiche Reisen führten sie u.a. in die Türkei, nach China und Russland.

Seit 2001 Arbeiten für den Hörfunk, historische Features (Schwerpunkt NS-Geschichte) und Berichte und Reportagen aus anderen Ländern und Kulturen (Schwerpunkt: Balkan).
Ganz nah und doch so fern: Vom Heiraten auf Albanisch

Ilir fährt zur Taufe seines kleinen Neffen Kilian von Griechenland nach Shkodra in Nordalbanien. Er ist Pate. Ilir ist nach Griechenland gezogen, weil er dort Arbeit gefunden hat. Nur 20 Kilometer von Shkodra entfernt wohnt Ilirs Verlobte Iona. Aber sie kommt nicht zur Taufe und Ilir kann Iona auch nicht besuchen, obwohl sie sogar schon standesamtlich verheiratet sind.

Das Problem ist, dass Ilir als albanischer Emigrant keine Frau in Griechenland gefunden hat; vielleicht wollte er auch lieber eine Braut aus dem konservativen albanischen Norden. Die Frauen von dort gelten als zuverlässig und treu. Auf jeden Fall hat er Iona über Mbleseri kennen gelernt, das ist die traditionelle albanische Heiratsvermittlung. Und er darf erst mit ihr zusammensein, wenn er mit ihr die traditionelle Hochzeit, die Dasme, gefeiert hat; aber die ist sehr teuer ...

Der Hörspielregisseur Stefan Hilsbecher hat das Stück unter anderem mit Studenten der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart inszeniert.

SWR2 Dschungel
Redaktion: Ralf Kröner
Regie: Stefan Hilsbecher
Erstausstrahlung: 11.02.2009
Länge: 25:25

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2008 besuchte ich meinen langjährigen Freund Winfried Kiechle in Nordalbanien. Zur Taufe seines kleinen Sohnes war die ganze Familie nach Shkodra gekommen – und hatte so die Gelegenheit ein Thema zu besprechen, das alle beschäftigte und auch mich brennend interessierte: Winfrieds Schwager Ilir hatte sich zum Erstaunen seiner Eltern und Schwestern für eine arrangierte Beziehung entschieden. Warum? In der entspannten Atmosphäre der Familienfeier gab es offene und differenzierte Diskussionen über die Möglich- und Schwierigkeiten von arrangierten Beziehungen versus Liebesbeziehungen.