Deutsch-Russische Mediengespräche

4. Deutsch-Russisches Mediengespräch, Februar 2011

2011 fand das vierte Deutsch-Russische Mediengespräch vom 6. bis 8. Februar in Berlin statt. Deutschland und Russland erleben gegenwärtig große gesellschaftliche Veränderungen. Hier wie dort werden die Folgen des Geburtenrückgangs und damit die Alterung der Gesellschaft deutlich sichtbar und erlebbar. Für alle stellt sich die Frage nach gesellschaftlichem Zusammenhalt, sozialer Identität und wirtschaftlicher Zukunft. Wie kann sich unter dieser Rahmenbedingung eine Gesellschaft modernisieren, damit sie nicht den Anschluss an internationale Entwicklungen verliert? Was wird in den jeweiligen Ländern unter Modernisierung verstanden und welche Konzepte werden angewandt, um diesen Prozess erfolgreich zu meistern? Die Herausforderungen sind in Deutschland und Russland von unterschiedlicher Größe und Natur. Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszufinden, war Aufgabe dieses vierten Dialogs.

Zum Auftakt des Mediengesprächs war Eckart von Klaeden MdB, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, als Dinner Speaker zu Gast. In seiner Tischrede ging der Minister auf die Modernisierungspartnerschaft zwischen Deutschland, der EU und Russland ein, die sich vor allem auf den Feldern Gesundheit und Demografie, Energieeffizienz, Verkehr und Logistik, sowie der Rechtzusammenarbeit bewähre.

Dimitrij Butrin (Kommersant) zeichnete in seinem Impulsvortrag ein kritisches Bild über die Modernisierungsbestrebungen in Russland. Seiner Auffassung nach fände eine Modernisierung, die von allen Seiten gewünscht würde, jedoch nur verbal und in TV Spots statt. Die Widerstände im Staatsapparat und das Unvermögen der Zentralregierung seien groß. In einem weiteren Beitrag ging Prof. Henning Schröder, Stiftung Wissenschaft und Politik, auf die Voraussetzungen ein, die eine Gesellschaft benötige, um gesellschaftlichen Wandel erfolgreich zu gestalten. Der Erfolg für die Modernisierungsstrategie in Russland hänge in seinen Augen besonders davon ab, ob auch in den Regionen Fortschritte erzielt würden. Julia Yutkina (Stavropolskaja Pravda) und Alexey Gavrilov (Vesti Karelia) vertraten die Auffassung, die Machtvertikale in die Regionen funktioniere nicht, deshalb gebe es in den Regionen wenig Anstrengungen die Wirtschaft und das soziale System zu verändern.

Abgerundet wurden die Beiträge durch einen Kurzvortrag von Thomas Wiede, CNC Communications und langjähriger Korrespondent des Handelsblattes in Moskau, der sich mit dem Thema auseinandersetzte, welchen Beitrag moderne Kommunikationsmittel für die politischen Kulturen in Deutschland und Russland leisteten. Er sieht die modernen Medien als „Enabler“ von politischen Protestbewegungen und führt hier Beispiele aus Deutschland, wie Stuttgart 21, auf. Dies führe zu einer veränderten Kommunikation von Unternehmen und der Politik, das sie vielschichtiger werden und deren Akteure lernen müssten, besser zuzuhören. Aus seiner Sicht ist das ein globaler Trend, der mit Zeitverzögerung überall einsetzen werde.

Alle Beiträge stießen in der Diskussion unter den Journalisten auf lebhafte Resonanz. Unter anderen beteiligten sich auf deutscher Seite Peter Limbourg (Pro7Sat1TV), Johannes Voswinkel (Die Zeit), Reinhard Veser (FAZ) und Martin Müller (Der Spiegel) auf russischer Seite Arkady Dubnov (Moskovskie Novosti), Sergey Buntmann (Echo Moskwy) und Alexander Sambuk (NTW). Moderiert wurde das Mediengespräch von dem Medienwissenschaftler Professor Dr. Jo Groebel.

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