Grenzgänger

Dunja Arnaszus:

Zeppelini

Die Litauerin Ieva wird von ihrem Bruder Ramunas, der sich mit Spekulationsgeschäften schwer verschätzt hatte und nun sich und die Seinen vor verstimmten Gläubigern in Sicherheit zu bringen sucht, als Mädchen für alles in einen schleswig-holsteinischen Haushalt vermittelt.
Sie trifft dort auf den liberalen Hausherren Leysing und seine pragmatische Frau Katharina. Ieva versucht wenig erfolgreich, von Deutschland aus dem Verschwinden des Bruders nachzuforschen und lässt gleichzeitig ihre halbgaren Experimente mit litauischen Nationalgerichten auf die Gastgeber los. Unterdessen entzückt der begeisterungsfähige Enkel Sven sich zunehmend für seine Mission, dieser charakterstarken Persönlichkeit mit noch zu entwickelnder Mannhaftigkeit zur Seite zu stehen.
Der Weg führt die beiden schließlich zurück nach Litauen – in Leysings Auto.
Dort entwickelt sich ein postsozialistisches Roadhörmovie der dritten Art: mit mafiösen Verstrickungen, Johannisbeerlikör und der letztgültigen Berechnung darüber, wie viel ein Pfifferling eigentlich wert ist.

Zur Recherche für ihr drittes Hörspiel bereiste die Autorin Litauen; sie führte Interviews, nahm Geräusche auf und fand verschiedene Formen „typisch litauischer“ Musik, die von den archaischen Sutartines bis zu LT United reichen. Die Transkriptionen der übersetzten Interviews speisten die Figuren und den Verlauf der Fiktion.
Die importierten akustischen Versatzstücke webte Regisseur Ulrich Gerhardt bedachtsam und humorvoll in den fiktiven Rahmen des Hörspiels und schuf in seiner Version der „Zeppelini“ eine anmutig-bizarre Beobachtung zu einer europäischen Begegnung.

RBB/DLF 2008 // 54 Min.
Ursendung: RBB Kultur // Freitag, 27. Juni 2008, 22:04 Uhr
 
Bei den Zonser Hörspieltagen 2009 erhielt "Zeppelini" den 2. Preis für das beste Regionalhörspiel.