Professorin Dr. Dr. M. Cristina Polidori

Kurzbiographie
  • MD degree (1993), Perugia University Medical School, Perugia, Italy
  • Post-doctoral Fellow (1993-1995), Perugia University Hospital, Cabrini Medical Center New York, Centro Emofilia e Trombosi Milano
  • Research Fellow (1995-1997), Double appointment Neurology Service/Massachusetts General Hospital/Harvard University and Whitaker Cardiovascular Institute/Boston University, Boston
  • Residency in Geriatrics (1996-2000), Perugia University Hospital, thesis entitled “Biomarkers of oxidative stress in aging and age-related diseases: preventive gerontology and functional foods"
  • Research Assistant (2001-2005), Institute of Biochemistry and Molecular Biology I, Heinrich-Heine University Düsseldorf
  • Venia legendi (2002), Heinrich-Heine University Düsseldorf
  • PhD in Philosophy (2005), Perugia University Philosophical Faculty
  • Lecturer (2002 at present), Institute of Biochemistry and Molecular Biology I and Department of Public Health, Heinrich-Heine University Düsseldorf
  • Head GeraMed (2006 at present, Memory Clinic), MedCampus Hohenlind, Cologne
  • Investigator and Medical staff DataMed (2006 at present, Clinical Trials), MedCampus Hohenlind, Cologne
  • Apl. Professorship (2008), Heinrich-Heine University Düsseldorf
  • Guest Researcher (2008-2012), Dpt. of Geriatrics, Marienhospital Herne, Ruhr-University Bochum


Klinische Krankheitsmarker und Biomarker bei Patienten mit Gedächtnisstörungen und Gefäßerkrankungen

Die Demenz ist eine erworbene Beeinträchtigung des Gedächtnisses. Durch den Abbau dieser zentralen Funktion der Informationsspeicherung und weiterer Hirnleistungen kommt es zu einer Beeinträchtigung der funktionellen Alltagsaktivitäten zur Alltagsbewältigung. Alzheimer Demenz (AD) ist eine kortikale Demenz und die häufigste Demenz-Form. AD zeigt einen chronischen, progredienten Verlauf mit einer mittleren Überlebenszeit von neun Jahren. Als leichte kognitive Beeinträchtigung (Mild Cognitive Impairment, MCI) wird ein klinisch-neuropsychologisch definiertes Übergangsstadium von normalem Nachlassen der kognitiven Leistungsfähigkeit im Alter zur Demenz bezeichnet. MCI-Patienten stellen eine Hochrisikogruppe für eine Demenzentwicklung innerhalb weniger Jahre dar.

Aerobe Stoffwechselvorgänge führen zur Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (Reactive Oxygen Species, ROS) im Organismus. Zellmembranen, DNA und Proteine sind Zielstrukturen der ROS. Sie werden in Oxidationsreaktionen modifiziert und in ihrer Funktion beeinträchtigt. Der unkontrollierten Bildung von ROS steht ein Netzwerk antioxidativer Verteidigungssysteme (z.B. antioxidativ wirksame Vitamine und Mikronährstoffe) gegenüber. Der Terminus „Oxidativer Stress“ beschreibt eine Stoffwechsellage, die durch eine Auslenkung des Fließgleichgewichtes zwischen Oxidantien (ROS) und Antioxidantien zugunsten der Oxidantien charakterisiert ist. Oxidativer Stress und mikroangiopathische Veränderungen im Gehirn spielen eine wichtige pathophysiologische Rolle bei der Entstehung einer AD. Die Bedeutung von oxidativem Stress und vaskulären Risikofaktoren bei dem Übergang zwischen MCI und AD ist noch unklar.

Ziel des Projektes ist die Untersuchung der Bedeutung von oxidativem Stress / antioxidativen Mikronährstoffen sowie von vaskulären Risikofaktoren bei der Entstehung von Alzheimer-Demenz in Patienten mit MCI. Fünfzig gesunde Probanden sowie 100 AD und 100 MCI Patienten mit und ohne kardiovaskuläre Komorbiditäten (Diabetes, Herzinsuffizienz und Atherosklerose) sollen insgesamt untersucht werden. Zum Studienbeginn (T0) sowie 18 Monate später (T18) werden klinische, anamnestische und neuropsychologische Daten (MMSE, Uhrentest, DemTect und ADAS-Cog) gesammelt. Zum T0 und T18 werden darüber hinaus Blutproben für die Messung des oxidativen/antioxidativen Gleichgewichtes im Körper gesammelt: Plasmaspiegelkonzentrationen an Vitamin C, Vitamin A, Vitamin E (- und -Tocopherol), Carotinoide (Lutein, Zeaxanthin, -Cryptoxanthin, Lycopin, - und -Carotin) (HPLC) sowie an Biomarker von Lipidperoxidation (F2-Isoprostanes mit GC-MS).

Zur Zeit sind Kontrollprobanden und AD Patienten eingeschlossen worden, die Rekrutierung der MCI Patienten läuft noch. Darüber hinaus laufen im Moment die 18-Mo. Follow-up Visiten der seit Juni 2008 rekrutierten Patienten und Kontrollprobanden. Wir haben in eine vorläufige statistische Analyse 30 Patienten mit MCI (15 mit und 15 ohne vaskulären Komorbiditäten), 40 mit AD (20 mit und 20 ohne vaskulären Komorbiditäten) sowie 40 Kontrollpersonen eingeschlossen. MCI und AD Patienten zeigen signifikant niedrigere kognitive Leistung, niedrigere Plasmaspiegelkonzentrationen von antioxidativen Mikronährstoffen und Vitaminen und höhere F2-Isoprostankonzentrationen als Kontrollpersonen (p < 0.001). Patienten mit Diabetes und/oder Herzinsuffizienz hatten schlechtere kognitive Testergebnisse sowie niedrigere Plasmaspiegelkonzentrationen von antioxidativen Mikronährstoffen als Patienten ohne Diabetes und/oder Herzinsuffizienz (p < 0.001).
Kognitive Leistungsminderung ist mit niedrigeren Plasmaspiegelkonzentrationen von antioxidativen Mikronährstoffen und Vitaminen sowie mit häufigen kardiovaskulären Komorbiditäten bei Patienten mit MCI und AD assoziiert. Die Identifizierung von Patienten mit erhöhtem Risiko für Malnutrition und Demenz ist eine wichtige Gesundheits fördernde Maßnahme. Änderungen des Lebensstils sowie ernährungsbedingte Strategien können bei diesen Personen möglicherweise effektive Vorbeugemaßnahmen für kognitive Leistungsstörungen und Demenzen sein.

Literatur:

Polidori MC, Nelles G, Pientka L. Prevention of dementia: focus on lifestyle. Int J Alzheimer’s Dis 2010, pii: 393579. Polidori MC, Pientka L, Nelles G, Griffiths HR. Modulation of cholesterol in midlife affords cognitive advantage during ageing – a role for altered redox balance. Int J Clin Exp Med 2010 (2) 103-109.
Polidori MC, Stahl W, Pientka L. Mikronährstoffe und neuropsychologische Leistung bei Patienten mit Mild Cognitive Impairment und Alzheimer Krankheit. 116. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Wiesbaden, 10-14. April 2010.