Grenzgänger Europa und seine Nachbarn

Ulli Gladik:

Ulli Gladik wurde 1970 in Bruck an der Mur (Österreich) geboren. Sie absolvierte die Schule für künstlerische Fotografie bei Friedl Kubelka und studierte von 1998 bis 2003 an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Von 2001 bis 2002 erhielt sie ein Auslandsstipendium an der National Academy of Arts in Sofia und gründete gemeinsam mit Ljuben Stoev und Doris Peter das Kunstprojekt „Transformazija", in dessen Rahmen Ausstellungsprojekte in Deutschland, Österreich und Bulgarien realisiert wurden. Seit ihrem Diplom in der MeisterInnenklasse bei Eva Schlegel und Josephine Pryde (Akademie der bildenden Künste Wien, 2003) arbeitet Gladik als freischaffende Künstlerin, Fotografin und Filmemacherin. Sie lebt in Wien.
Наташа (Natasha)

Natasha lebt in einer kleinen Stadt in der Nähe von Sofia/Bulgarien. Um ihre Familie zu ernähren, fährt sie seit drei Jahren mehrmals jährlich nach Österreich, um zu betteln. Ulli Gladik, Kamerafrau und Regisseurin in Personalunion, begleitete Natasha und ihre Familie im Zeitraum von fast zwei Jahren. Der Film zeigt Natashas Alltag als Bettlerin in Österreich und die Lebensumstände in ihrer Heimat.

Regie, Kamera und Produktion: Ulli Gladik
Regieassistenz: Ursula Sova, Katerina Georgieva, Jutta Sommerbauer
Schnitt: Karin Hammer, Ulli Gladik
Stereo, Farbe © 2008
Bulgarisch mit dt. oder engl. Untertiteln
Dauer: 84 Min.

Gefördert von: innovative film austria, Kulturamt der Stadt Wien, Robert Bosch Stiftung, cine styria.

Bildergalerie

„Vor einigen Jahren, ich war eben von einem längeren Studienaufenthalt in Bulgarien zurückgekommen, lernte ich Kirtsho kennen. Er stammt aus Sofia und bettelte auf der Wiener Mariahilfer Straße. Die vielen Gespräche mit ihm brachten mich schließlich auf die Idee, einen Film über ihn zu machen. Doch dazu kam es nicht. Kirtsho wurde kurz danach abgeschoben und als ich ihn einige Monate später in Sofia besuchte, war er aufgrund der Schubhaft so traumatisiert, dass er keinen Film mehr machen wollte. Eine Recherchereise führte mich schließlich mit einer slowakischen Familie in ein kleines Dorf in der Südslowakei. Viele Bewohner dieses Dorfes fahren ebenfalls nach Österreich zum Betteln. Anders könnten sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten.

Später, in Graz, traf ich dann Natasha. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und ihre Offenheit und Geduld machten es mir schließlich möglich, mein Vorhaben zu verwirklichen. Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren besuchte ich sie und filmte: ihre Reisen nach Österreich, ihre Arbeit als Bettlerin, das Grazer Quartier, ihr Umgang mit der (nicht nur physisch spürbaren) Kälte, ihr Familienleben und ihren Alltag in Bulgarien.

Bettler sind die Unberührbaren unserer Gesellschaft. Man will sie nicht sehen, weicht aus und hat alle möglichen Vorurteile. Mit dem Film wollte ich einen Menschen aus dieser Anonymität herausholen und zeigen, wer das ist – quasi dessen Berührbarkeit vermitteln“.