Grenzgänger

Ivette Löcker:

Geboren in Bregenz, aufgewachsen in St. Michael/Lungau. Studium der Slawistik (Russisch), Osteuropäischen Geschichte und Soziologie in Wien, Abschluss 1997. Arbeit als Rechercheurin, Produktionsleiterin und Regieassistentin bei verschiedenen Dokumentarfilmen, u.a. „Pripyat“ von Nikolaus Geyrhalter und „Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?“ von Gerhard B. Friedl. Seit 2006 realisiert sie Dokumentarfilme unter eigener Regie. Ivette Löcker lebt und arbeitet in Berlin.
Marina und Sascha, Kohleschiffer

Das Eis auf dem Baikalsee ist geschmolzen. Marina und Sascha packen ihre Sachen und verlassen ihr Winterhaus. „Auf die Schifffahrtssaison wartest du wie auf Gott“, sagt Sascha. Marina fügt hinzu: „Das bedeutet Arbeit, Geld verdienen und weiterleben.“ Seit fünf Jahren sind die beiden ein Paar und leben als Kohleschiffer am Baikalsee. Am Ende der Saison stellt sich heraus, dass es ihre letzte ist. Der Film über die beiden ist so zum Porträt einer verschwindenden Lebensweise geworden.

Regie / Produktion: Ivette Löcker
Farbe
Sprache: Russisch mit UT (Deutsch/Englisch)
Produktionsjahr: 2008
Länge: 32 Minuten und 30 Sekunden
Förderung: Robert Bosch Stiftung, if - innovative film austria, Land Salzburg Kultur

Aufführungen

Premiere auf dem Festival „Diagonale 08“ am 04.04.2008 in Graz, Aufführung beim Festival „Crossing Europe“ Ende April 2008 in Linz.

Kritikerstimme

„Der Film unternimmt noch einmal eine perfekte Überfahrt über den Baikalsee, dieses Naturwunder, an dem die Zeit nur scheinbar stillsteht“

Bert Rebhandl bei Austrian Independent Film and Video Database
Die Recherche führte Ivette Löcker am Anfang und Ende des Winters 2005/06 an den Baikalsee, seit 1996 UNESCO-Weltkulturerbe und russisches Nationalsymbol.

„Ich habe Marina und Sascha auf meiner Recherchereise in Sibirien kennen gelernt. Auf dem Lastkahn Nr. 1315 transportieren sie Kohle von Port Baikal nach Ust-Barguzin. Das halbe Jahr verbringen sie zu zweit auf dem Schiff – "wie auf einer Insel", losgelöst von der russischen Wirklichkeit an Land. Sie genießen die Schönheiten des Baikalsees, die Freiheit auf See und sehnen sich doch nach einem normalen Leben. Denn wie lange sie diese Arbeit noch machen werden, wissen sie nicht. Die Aufträge für Kohle werden immer weniger. Marina und Sascha suchen auf ihre Weise und mit ihren Möglichkeiten nach dem Glück. Das ist es, was ich an vielen Menschen in Russland bewundere: Selbst unter schwierigen Lebensbedingungen erhalten sie sich ihre Kraft und ihren Lebensmut.“