Grenzgänger

Oliver Bottini:

Oliver Bottini, in Nürnberg geboren, studierte in München Neuere deutsche Literatur, Italianistik und Psychologie. Er erhielt für seine beiden Kriminalromane „Mord im Zeichen des Zen“ und „Im Sommer der Mörder“ jeweils den Deutschen Krimi Preis. 2007 wurde er für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Roman nominiert. Sein dritter Roman, „Im Auftrag der Väter“, stand 2007 auf der Shortlist des Münchener Tukan-Preises. Auch der vierte Roman, „Jäger in der Nacht“, war sehr erfolgreich. Oliver Bottini lebt in Berlin.
Im Auftrag der Väter

An einem regnerischen, nebligen Wochenende im Oktober steht plötzlich ein Mann im Garten der Freiburger Familie Niemann. Er versucht ins Haus einzudringen, doch als die Polizei eintrifft, ist er schon wieder verschwunden. In derselben Nacht kehrt er zurück und stellt der Familie ein unerklärliches Ultimatum. Die Freiburger Hauptkommissarin Louise Bonì und ihre Kollegen ermitteln unter Hochdruck. Es geht das Gerücht, dass der Täter vom Balkan stammt. Louises Ermittlungen führen sie in ein gefährliches Niemandsland.

Roman
444 Seiten, gebunden
Scherz Verlag / S. Fischer Verlag , Frankfurt am Main 2007
ISBN: 3-502-11009-3

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Ostkroatien und Nordbosnien – das waren im Frühjahr 2007 die Ziele meiner Recherchereise auf den Spuren der Donauschwaben. Um deren Geschichte sollte es in meinem dritten Kriminalroman gehen, der im badischen Freiburg beginnt und im kroatischen Slawonien endet. Nach intensiver Vorbereitung in Deutschland in entsprechenden Instituten und Museen, Telefonaten und persönlichen Gesprächen fuhr ich von Osijek an der Drau aus drei Wochen lang mit „Chauffeur“ und Dolmetscherin kreuz und quer durch Slawonien und nach Bosnien, sah mir ehemals „deutsche“ Dörfer mit ihrer typisch donauschwäbischen Architektur an, besuchte Friedhöfe mit deutschen „Abteilungen“, sprach mit Deutschstämmigen.

Eine tragische, grausame, heikle Episode europäischer Geschichte wurde dabei offenbar – verdammt als fünfte Kolonne Hitlers, wurden die Donauschwaben am Kriegsende von Titos Partisanen enteignet, entrechtet, vertrieben, in Lager gesperrt. Die Frage nach individueller Schuld oder Unschuld spielte keine Rolle. Zu brutal hatte Nazideutschland Jugoslawien unterworfen, zu grausam hatte die aus Donauschwaben bestehende SS-Division „Prinz Eugen“ auf dem Balkan gewütet, als dass die neue jugoslawische Regierung noch zu unterscheiden bereit war. Täter und Opfer, Opfer und Täter ... Das war eines der Ergebnisse dieser beeindruckenden Reise: dass Menschen, Gruppen, Völker beides zugleich sein können und man weder das eine noch das andere aus dem Blick verlieren sollte.

Ganz nebenbei wurde diese Reise in die deutsche Südostvergangenheit auch eine Reise in das Trauma der Menschen auf dem Balkan – die jugoslawischen Zerfallskriege. Gerade in Slawonien (von Bosnien zu schweigen) ist der Krieg noch immer präsent. Allerorten stößt man auf zerbombte Dörfer, in den Städten starren Einschusslöcher von den Häuserwänden, ganze Landstriche sind nach wie vor vermint und können nicht betreten werden. Den meisten Einwohnern Slawoniens steht die Kriegserfahrung in die Biografie geschrieben, und die Abneigung gegen den serbischen Nachbarn wird kühl oder leidenschaftlich tradiert.

Eine Reise, die ich nicht vergessen werde, eine Reise, die von der Verletztheit, Einfachheit, Kraft, Fröhlichkeit, Lebenslust einer mir bis dahin unbekannten Region geprägt war und in den Entschluss mündete, mich für weitere zwei Monate in Osijek niederzulassen, um den Roman dort zu Ende zu schreiben.