„Demographie und Zukunftsfähigkeit bedingen einander“
Stuttgart – 22. November 2007 – Bei dem gemeinsamen Kongress der Robert Bosch Stiftung und des Staatsministeriums Baden-Württemberg „Standort Baden-Württemberg: Demographie und Zukunftsfähigkeit“ in Stuttgart stellt die Stiftung zwei Studien vor: „Standort Baden-Württemberg –Demographie und Zukunftsfähigkeit“, eine Studie der Roland Berger Strategy Consultants im Auftrag der Robert Bosch Stiftung, und die von der Robert Bosch Stiftung geförderte Studie „Der demographische Wandel in Baden-Württemberg – Auswirkungen und Herausforderungen für Gesellschaft und Politik“ des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg. Die Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, Dr. Ingrid Hamm, erklärt dazu:
„Mit den beiden Studien wollen wir unseren Beitrag zur Herausforderung des demographischen Wandels in Baden-Württemberg leisten. Die Robert Bosch Stiftung hat bereits seit 2004 mit der Kommission Familie und demographischer Wandel unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Kurt Biedenkopf wegweisende Vorschläge für die Gestaltung des demographischen Wandels erarbeitet. Erstmalig haben wir nun auf ein Bundesland bezogene Studien in Auftrag gegeben, die uns ganz genau über die Chancen und Risiken der Bevölkerungsentwicklung informieren und Handlungsempfehlungen an die Politik formulieren. Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Denn Demographie und Zukunftsfähigkeit bedingen einander. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das:
- Das Land verliert bis zum Jahr 2050 eine Million Einwohner, das ist ein Rückgang um 9,3 Prozent von 10,7 Millionen auf 9,7 Millionen. In Baden-Württemberg werden damit weniger Einwohner, aber im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung mehr ältere Bürger leben.
- Das Durchschnittsalter der Baden-Württemberger steigt von heute fast 42 Jahre bis zum Jahr 2050 auf fast 50 Jahre an.
- Das Angebot an Arbeitskräften nimmt bereits ab 2015 ab und wird im Jahr 2030 bereits um 765.000 Personen niedriger ausfallen als 2006.
- Die Zahl der Kinder im Kindergartenalter nimmt bereits jetzt ab, in den allgemein bildenden Schulen dürfte bis 2025 im Vergleich zu heute fast jede vierte Schulbank leer bleiben.
- Alarmierend sind die unterdurchschnittlichen Abiturraten von Migranten: in Baden-Württemberg beträgt diese nur 3,8 Prozent im Vergleich zum deutschen Mittelwert von über zehn Prozent.
Während Baden-Württemberg sein Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen drei Jahrzehnten mehr als verdoppeln konnte, so wird sich diese Wachstumsrate in den nächsten vierzig Jahren ohne entschlossene Maßnahmen zur Stärkung von Familien, Sicherung einer dauerhaften Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte und ohne Erhöhung der Erwerbstätigenquote in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern fast halbieren. Dennoch steht Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern zur Zeit günstig da. Es hat aber aufgrund des hohen Ausgangsniveaus ökonomisch am meisten zu verlieren. Für die Studie „Demographie und Zukunftsfähigkeit“ von Roland Berger Strategy Consultants wurden daher fünf zentrale Hebel identifiziert:
- Erwerbsbeteiligung weiter anheben
- Geburtenraten erhöhen und die Lage der Familien verbessern
- Innovationsfähigkeit stärken
- Wachstumschancen des Seniorenmarktes nutzen
- Haushalt konsolidieren
Wir gehen davon aus, dass diese „Hebel“ exemplarisch sind und hoffen, dass diese auch von andern Bundesländern aufgegriffen werden. Wir danken auch dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg, das mit ihrer Studie eindeutige Zahlen erarbeitet hat und damit nochmals die Unabdingbarkeit des Wandels untermauert hat.“