Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung

Aras Ören

Adelbert-von-Chamisso-Preis 1985

1939 in Bebek-Istanbul, Türkei, geboren. Schreibt seit 1957 Gedichte, 1958 erste Prosa. 1959 – 1969 Schauspieler und Dramaturg vornehmlich in Istanbul. 1960 erster Gedichtband in der Türkei, Teilnahme am internationalen Wettbewerb der Jugendtheater Erlangen. 1962 Schauspieler an der »Neuen Bühne« in Frankfurt am Main, 1965–1967 Versuche, eine Theatergruppe für die türkischen Arbeiter in der BRD und Westberlin zu gründen. 1966–1969 Schauspielarbeit in Istanbul, dort auch Theaterpreis. 1969 Umzug nach Westberlin. Arbeit in Fabriken, in der Gastronomie und als Schauspieler.
Anfang der 70er Jahre stößt er zur »Gruppe der schreibenden Arbeiter« in der Berliner Künstlervereinigung »Rote Nelke«.
Seit 1974 arbeitet er als Redakteur, seit 1996 als Leiter in der türkischen Redaktion im Sender Freies Berlin (SFB). 1999 hatte er die Poetik-Dozentur an der Universität Tübingen inne. Aras Ören erhielt 1985 als erster Autor den Adelbert-von-Chamisso-Preis. 2012 wurde er in die Akademie der Schönen Künste Berlin gewählt.

Auszeichnungen:
Förderpreis des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie 1980
Literarische Ehrengabe der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 1983

Leseprobe

Du darfst keinen Fehler machen. Du mußt zuallererst lernen. Wenn du die Straße bei Rot überquerst, machst du dich schuldig. Wenn du ein Verbotsschild übersiehst, machst du dich schuldig. Wenn du im Winter am vereisten Kanalufer ausrutschst und fällst, machst du dich schuldig.Wenn du mit einem Beamten im Dienst mit erhobener Stimme sprichst, machst du dich schuldig. Wenn du im Bus jemandem auf den Fuß trittst und dich nicht entschuldigst, machst du dich schuldig.
Personen, die du nicht kennst, mußt du mit »Sie« anreden.
Du darfst dich nicht ärgern, wenn du außer Atem an der Bushaltestelle angelaufen kommst und der Busfahrer dir die Tür vor der Nase zumacht und ohne dich abfährt, oder wenn an der Kasse, an der du im Supermarkt Schlange stehst, ausgerechnet dann die Spule ausgeht, wenn du drankommst, so daß du dich woanders von neuem anstellen mußt.Wenn du beschimpft wirst, weil du etwas Verbotenes getan hast, darfst du nicht widersprechen. Wenn du beim Spielen verlierst, darfst du nicht traurig sein.

Aus: »Berlin Savignyplatz«

 

Was bleibt?


»TÜRKEN RAUS«, sagen sie …
Aber wenn wir gehen
und diese vergoldete Demokratie mitnehmen,
was bleibt?

Es bleibt der verrostete Himmel da oben.


Juni 1982

 


Die Rache der Worte

»Dreck Ausländer«, sagte er,
ging und schaute in den Spiegel:
Sein Mund war voller Schmutz.

September 1981, aus: »Das Wrack«

Bücher

Aras Ören
Wir neuen Europäer.
Ein Lesebuch. Hrsg. von  Sophie Fahrenholz. Verbrecher Verlag, Berlin 2016

Der Haifisch in meinem Kopf.
Prosa, Lyrik, Szenen & Essays zum 9. Würth-Literaturpreis. Hrsg. von Aras Ören. Swiridoff, Künzelsau 2000

Als ich mein Bella Italia traf.
Märchen von Aras Ören und Anke-Sophie Mey mit Illustrationen von Ingrid Jörg. Berliner Handpresse, Berlin 2000

Privatexil ein Programm?
Drei Vorlesungen. Übersetzt von Cem Dalaman. Tübinger Poetikvorlesung. Konkursbuch Verlag, Tübingen 1999

Sehnsucht nach Hollywood.
Übersetzt von Deniz Göktürk. Elefanten Press Verlag, Berlin 1999

Granatapfelblüte.
Roman. Elefanten Press Verlag, Berlin 1998

Unerwarteter Besuch.
Übersetzt von Deniz Göktürk. Elefanten Press Verlag, Berlin 1997

Das Geheimnis des Uhrturms.
Märchen. Übersetzt von Deniz Göktürk. Linolschnitte von Ingrid Jörg. Berliner Handpresse, Berlin 1996

Trugbilder, Wörter und danach. Imgeler – sozler ve otesi.
Gedichte in zwei Sprachen. Mit Linolschnitten von Wolfgang Jörg. Berliner Handpresse, Berlin 1996

Berlin Savignyplatz.
Roman. Übersetzt von Deniz Göktürk. Elefanten Press Verlag, Berlin 1995

Der kleine Pascha.
Märchen. Linolschnitte von Ingrid Jörg. Berliner Handpresse, Berlin 1995

Aus dem Leben verbannt.
Übersetzt von Cornelius Bischoff. Mit Linolschnitten von Wolfgang Jörg. Berliner Handpresse, Berlin 1994

Der Uhrmacher der Einsamkeit.
Gedichte. Übersetzt von Eva Hund und Zafer Senoçak. Berliner Handpresse, Berlin 1993

Leyla und Mecnun. Märchen für Musik.
Mit Peter Schneider. Babel-Verlag, Berlin 1992

Anlatilar. 1970–1982.
Babel-Verlag, Berlin 1991

Die Hälfte.
Gedichte. Mit Hanefi Yeter. Übersetzt von Eva Hund und Zafer Senocak. Eigendruck, Berlin 1991

Verlorene Zärtlichkeit.
Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Dagyeli, Frankfurt am Main 1991

Wie die Spree in den Bosporus fließt.
Briefe zwischen Istanbul und Berlin 1990–91 von Aras Ören und Peter Schneider. Babel-Verlag, Berlin 1991

Eine verspätete Abrechnung oder der Aufstieg der Gündogdus.
Roman. Übersetzt von Zafer Senocak und Eva Hund. Dagyeli, Frankfurt am Main 1988

Dazwischen. Gedichte.
Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Dagyeli, Frankfurt am Main 1987

Gefühllosigkeiten. Reisen von Berlin nach Berlin.
Gedichte. Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne; Yildirim Dagyeli und Yüksel Pazarkaya. Dagyeli, Frankfurt am Main 1986

Paradies kaputt.
Erzählungen. Übersetzt von Petra Kappert, Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1986

Das Wrack. Second-hand Bilder.
Gedichte. Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Dagyeli, Frankfurt am Main 1986

Widersinnige Sinnsprüche/Hikmetli aykiri sözler.
Dt.-türk. Mit fünf Radierungen von Ergin Inan. Übersetzt von Petra Kappert. Edition Mariannenpresse, Berlin 1984

Ich anders sprechen lernen.
Wörter von Aras Ören, Bilder von Wolfgang Nieblich. Nishen, Berlin 1983 (Kreuzberger Hefte 3)

Manege.
Erzählungen. Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Claassen, Düsseldorf 1983

Der Gastkonsument/Konuk Türketici und andere Erzählungen in fremden Sprachen/ iki dilde anlatilar.
Dt.-türk. Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Rotbuch Verlag, Berlin 1982

Bitte nix Polizei.
Kriminalerzählung. Übersetzt von Cornelius Bischoff. Claassen, Düsseldorf 1981

Die Fremde ist auch ein Haus.
Berlin-Poem. Übersetzt von Gisela Kraft. Rotbuch Verlag, Berlin 1980

Mitten in der Odyssee.
Gedichte. Übersetzt von Gisela Kraft. Claassen, Düsseldorf 1980

Alte Märchen neu erzählt.
Texte in zwei Sprachen. Dt.-türk. Übersetzt von Petra Kappert. Ararat-Verlag, Berlin 1979

Deutschland, ein türkisches Märchen.
Gedichte. Übersetzt von Gisela Kraft. Claassen, Düsseldorf 1978

Privatexil.
Übersetzt von Gisela Kraft. Rotbuch Verlag, Berlin 1977

Der kurze Traum aus Kagithane.
Ein Poem. Übersetzt von H. Achmed Schmiede. Bearbeitet von Jürgen Theobaldy. Rotbuch Verlag, Berlin 1974

Was will Niyazi in der Naunynstraße.
Ein Poem. Übersetzt von H. Achmed Schmiede und Johannes Schenk. Rotbuch Verlag, Berlin 1973

Der Hinterhof. U-Bahn.
Erzählungen. Holzschnitte von Kurt Mühlenhaupt. Polyphem, Berlin 1972

Disteln für Blumen.
Gedichte. Holzschnitte von Kurt Mühlenhaupt. Polyphem, Berlin 1970

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