Aras Ören
Adelbert-von-Chamisso-Preis 1985
Anfang der 70er Jahre stößt er zur »Gruppe der schreibenden Arbeiter« in der Berliner Künstlervereinigung »Rote Nelke«.
Seit 1974 arbeitet er als Redakteur, seit 1996 als Leiter in der türkischen Redaktion im Sender Freies Berlin (SFB). 1999 hatte er die Poetik-Dozentur an der Universität Tübingen inne.
Nach dem Förderpreis des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie (1980) und der Literarischen Ehrengabe der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1983) erhielt er 1985 als erster Autor den Adelbert-von-Chamisso-Preis.
Leseprobe
Personen, die du nicht kennst, mußt du mit »Sie« anreden.
Du darfst dich nicht ärgern, wenn du außer Atem an der Bushaltestelle angelaufen kommst und der Busfahrer dir die Tür vor der Nase zumacht und ohne dich abfährt, oder wenn an der Kasse, an der du im Supermarkt Schlange stehst, ausgerechnet dann die Spule ausgeht, wenn du drankommst, so daß du dich woanders von neuem anstellen mußt.Wenn du beschimpft wirst, weil du etwas Verbotenes getan hast, darfst du nicht widersprechen. Wenn du beim Spielen verlierst, darfst du nicht traurig sein.
Aus: »Berlin Savignyplatz«
Was bleibt?
»TÜRKEN RAUS«, sagen sie …
Aber wenn wir gehen
und diese vergoldete Demokratie mitnehmen,
was bleibt?
Es bleibt der verrostete Himmel da oben.
Juni 1982
Die Rache der Worte
»Dreck Ausländer«, sagte er,
ging und schaute in den Spiegel:
Sein Mund war voller Schmutz.
September 1981, aus: »Das Wrack«
Bibliografie
Der Hinterhof. U-Bahn. Erzählungen. Holzschnitte von Kurt Mühlenhaupt. Berlin: Polyphem, 1972
Was will Niyazi in der Naunynstraße. Ein Poem. Übersetzt von H. Achmed Schmiede und Johannes Schenk. Berlin: Rotbuch Verlag, 1973
Der kurze Traum aus Kagithane. Ein Poem. Übersetzt von H. Achmed Schmiede. Bearbeitet von Jürgen Theobaldy. Berlin: Rotbuch Verlag, 1974
Privatexil. Übersetzt von Gisela Kraft. Berlin: Rotbuch Verlag, 1977
Deutschland, ein türkisches Märchen. Gedichte. Übersetzt von Gisela Kraft. Düsseldorf: Claassen, 1978
Alte Märchen neu erzählt. Texte in zwei Sprachen. Dt.-türk. Übersetzt von Petra Kappert. Berlin: Ararat-Verlag, 1979
Die Fremde ist auch ein Haus. Berlin-Poem. Übersetzt von Gisela Kraft. Berlin: Rotbuch, 1980
Mitten in der Odyssee. Gedichte. Übersetzt von Gisela Kraft. Düsseldorf: Claassen, 1980
Bitte nix Polizei. Kriminalerzählung. Übersetzt von Cornelius Bischoff. Düsseldorf: Claassen, 1981
Der Gastkonsument/Konuk Türketici und andere Erzählungen in fremden Sprachen/ iki dilde anlatilar. Dt.-türk. Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Berlin: Rotbuch Verlag, 1982
Ich anders sprechen lernen.Wörter von Aras Ören, Bilder von Wolfgang Nieblich. Berlin: Nishen, 1983 (Kreuzberger Hefte 3)
Manege. Erzählungen. Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Düsseldorf: Claassen, 1983
Widersinnige Sinnsprüche/Hikmetli aykiri sözler. Dt.-türk. Mit fünf Radierungen von Ergin Inan. Übersetzt von Petra Kappert. Berlin: Edition Mariannenpresse, 1984
Gefühllosigkeiten. Reisen von Berlin nach Berlin. Gedichte. Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne; Yildirim Dagyeli und Yüksel Pazarkaya. Frankfurt am Main: Dagyeli, 1986
Paradies kaputt. Erzählungen. Übersetzt von Petra Kappert, Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1986
Das Wrack. Second-hand Bilder. Gedichte. Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Frankfurt am Main: Dagyeli, 1986
Dazwischen. Gedichte. Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Frankfurt am Main: Dagyeli, 1987
Eine verspätete Abrechnung oder der Aufstieg der Gündogdus. Roman. Übersetzt von Zafer Senocak und Eva Hund. Frankfurt am Main: Dagyeli, 1988
Anlatilar. 1970–1982. Berlin: Babel Verlag Hund und Toker, 1991
Die Hälfte. Gedichte. Mit Hanefi Yeter. Übersetzt von Eva Hund und Zafer Senocak. Berlin: Eigendruck, 1991
Verlorene Zärtlichkeit. Übersetzt von Helga Dagyeli-Bohne und Yildirim Dagyeli. Frankfurt am Main: Dagyeli, 1991
Wie die Spree in den Bosporus fließt. Briefe zwischen Istanbul und Berlin 1990–91 von Aras Ören und Peter Schneider. Berlin: Babel Verlag Hund und Toker, 1991
Leyla und Mecnun. Märchen für Musik. Mit Peter Schneider. Berlin: Babel Verlag, 1992
Der Uhrmacher der Einsamkeit. Gedichte. Übersetzt von Eva Hund und Zafer Senocak. Berlin: Berliner Handpresse, 1993
Aus dem Leben verbannt. Übersetzt von Cornelius Bischoff. Mit Linolschnitten von Wolfgang Jörg. Berlin: Berliner Handpresse, 1994
Berlin Savignyplatz. Roman. Übersetzt von Deniz Göktürk. Berlin: Elefanten Press Verlag, 1995
Der kleine Pascha. Märchen. Linolschnitte von Ingrid Jörg. Berlin: Berliner Handpresse, 1995
Das Geheimnis des Uhrturms. Märchen. Übersetzt von Deniz Göktürk. Linolschnitte von Ingrid Jörg. Berlin: Berliner Handpresse, 1996
Trugbilder, Wörter und danach. Imgeler – sozler ve otesi. Gedichte in zwei Sprachen. Mit Linolschnitten von Wolfgang Jörg. Berlin: Berliner Handpresse, 1996
Unerwarteter Besuch. Übersetzt von Deniz Göktürk. Berlin: Elefanten Press Verlag, 1997
Granatapfelblüte. Roman. Berlin: Elefanten Press Verlag, 1998
Privatexil ein Programm? Drei Vorlesungen. Übersetzt von Cem Dalaman. Tübinger Poetikvorlesung. Tübingen: Konkursbuch Verlag,1999
Sehnsucht nach Hollywood. Übersetzt von Deniz Göktürk. Berlin: Elefantenpresse. 1999
Der Haifisch in meinem Kopf. Prosa, Lyrik, Szenen & Essays zum 9. Würth-Literaturpreis. Hrsg. von A. Ö. Künzelsau: Swiridoff, 2000