Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung

László Csiba

Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis 1995

1949 in Mosonmagyaróvár, Ungarn, geboren.
1966 erste lyrische Versuche. 1968 Übersiedlung in die DDR. 1978–79 Übersetzungen ungarischer Prosawerke und Gedichte. 1981–86 Miniaturen, Kurzgeschichten und Gedichte in deutscher Sprache. 1987–91 Direktstudium am Literaturinstitut in Leipzig. Seit 1992 diverse Stipendien, u.a. des Kultusministeriums des Landes Sachsen-Anhalt, im Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf, in der »Art Stiftung Plaas«, Lindau am Bodensee, des Kuratoriums der Stiftung Kulturfonds, Berlin. Rundfunklesungen beim WDR, Köln, und MDR, Leipzig, Veröffentlichungen von Lyrik und Essays in Zeitschriften (Am Erker, Neue Sirene, Blätter für Literatur Sachsen-Anhalt) und Anthologien. 2000 erhielt László Csiba ein Arbeitsstipendium der Robert Bosch Stiftung für das Stück »Ich töte Mozart nicht« (Uraufführung 2006 im Stuttgarter Renitenz-Theater), 2002 und 2005 Stipendien des Kultusministeriums und der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, 2004 das Stipendium der Batz-Foundation Kloster Altzelle/Sachsen und 2004 das Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Wiepersdorf. Im selben Jahr nahm er am internationalen »Poesie«- Festival in Dornbirn/Österreich teil und der Leipziger Komponist Christian Kram vertonte seinen Gedichtzyklus »Grasbrechen«.

Leseprobe

schreiben      natürlich
veröffentlichen               natürlich
für all das
den preis bezahlen         natürlich
viertausend zigaretten
eimer voll kaffee
für ein schmales bändchen
käse und wein               natürlich
natürlich poker spielen
meine herren!
die karten auf den tisch!
tacheles reden natürlich
vor niemandes karren
spannen lassen natürlich
einsamkeit                    natürlich
im ausgedehnten königreich
der verschwiegenheit
bis alles in mir vereint
gekrümmt über dem leeren blatt
als wäre es die quelle des lichts
das auge schärft sich
die hand wird sicherer
dann und wann             natürlich
die peitschenschläge der bandscheiben
literatur                        natürlich
Liberté! Egalité! Fraternité!
freiheit                         natürlich
natürlich unabhängigkeit
eingemauert im ich
aber solange ich schreibe
bin ich nicht verzagt
die schildkröte wird zum vogel im wasser

und der morgen ist nicht verloren
ich begehre zu sein
ich begehre zu wissen
auf dem geflickten gehsteig
kleben dürre blütenblätter
an der ecke ein zerlumpter
dilettiert mit einer violine
ich blicke ins gesicht
             CHOPIN
seltsame reinheit
ich wage nicht stehenzubleiben
staub fällt auf das gerippe
              der stadt
mittagessen mit van Gogh
der mund voller asche
in den augen erloschenes gold
in den händen wüten die farben
immer noch immer noch
stillleben und landschaften
ich trinke absinth
natürlich absinth
aber mit wasser verdünnt
dann entspannt sich der tag
zwischen den steinplatten
büschel von mohn
das rot von unerhörter dichte
die blödsinnige lust
                zu weinen
wohlan gastliche nacht
zu dir kehre ich zurück
die stille    natürlich
die stille    so weit
                so weit
wie mein denken

(unveröffentlicht)

Bücher

László Csiba
nachtfenster – tagtüren.
Gedichte. Salon-Literatur-Verlag, München 2007

Bastard – Chose my Identiti.
Prosa und Lyrik. Edition Actar, Barcelona 2006

ich liebe zu frühstücken.
Gedichte. Projekte Verlag, Halle/Saale 2004

Das Lachen der Fische.
Gedichte. Verlag Stekovics, Halle/Saale 2003

Das Komma in der Milch.
Prosa und Gedichte. Hallesche Autorenhefte 8, Halle/Saale 2001

Durch das Flugloch der Bleistiftspitze.
Gedichte. Edition Klaus Isele, Eggingen 1998

Gleichgewichtsstörung.
Erzählungen. Heliopolis-Verlag, Tübingen 1995

»Das Klavier«.

In: Jahreszeiten des Verlangens. Ein Zeitmitschrift-Buch mit Geschichten von Begehren und Hingabe. Hrsg. von Stefan Bollmann. Bollmann, Düsseldorf-Bensheim, 1992