Über den Chamissopreis

Der Adelbert-von-Chamisso-Preis ist ein Literaturpreis, mit dem die Robert Bosch Stiftung seit 1985 deutsch schreibende Autoren nicht deutscher Muttersprache auszeichnet, und der im deutschsprachigen Raum in seiner Ausrichtung einzigartig ist. Die ausgezeichneten Autoren haben ganz unterschiedliche kulturelle Hintergründe und sind durch Arbeitsmigration, Asyl, Exil oder Studium nach Deutschland gekommen. Eines aber verbindet sie: Die deutsche Sprache, in die sie eingewandert sind und die sie zu ihrer eigenen und wichtigsten Ausdrucksform gemacht haben. Dieser Wechsel in die deutsche Sprache geht dabei weit über deren Alltagsgebrauch hinaus. Er vollzieht sich in künstlerischer und literarischer Aneignung und macht das Werk der Adelbert-von-Chamisso-Preisträger zu einem selbstverständlichen Bestandteil der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Der Preis dokumentiert, dass Literatur und Sprache der Verständigung zwischen den Kulturen dient – in Deutschland, in Europa und darüber hinaus. Die Chamisso-Preisträger, die wie Elazar Benyoëtz und Galsan Tschinag nicht in Deutschland leben und wirken, fördern mit ihren Werken den internationalen Gebrauch des Deutschen als Bildungssprache. Die im deutschen Sprachraum tätigen Preisträger sind Beispiele dafür, wie die Kultur derjenigen, die hier eine neue oder zweite Heimat gefunden haben, mit der unseren zusammenfindet. Die Chamisso-Preisträger sind nicht nur hervorragende Schriftsteller und Vertreter der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, sondern haben auch eine wichtige Vorbildfunktion, insbesondere für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Uns allen ist deutlich geworden, welche zentrale Rolle die Sprache für gelingende Integration spielt. Ohne ausreichende Sprachbeherrschung ist ein Leben und Arbeiten in der Gesellschaft nicht möglich.

Es war die kluge Initiative Harald Weinrichs, die Robert Bosch Stiftung von der Einrichtung des Adelbert-von-Chamisso-Preises zu überzeugen. Seit der ersten Preisverleihung 1985 an Aras Ören und Rafik Schami sind insgesamt 46 Schriftsteller aus über zwanzig Herkunftsländern ausgezeichnet worden.
Wurde die mit dem Preis gewürdigte Literatur seit den 80er Jahren zunächst noch »Gastarbeiterliteratur«, später »Migrationsliteratur« genannt, so ist sie heute zu einem selbstverständlichen Bestandteil deutscher Gegenwartsliteratur geworden, die nicht selten auch als »Chamisso-Literatur« bezeichnet wird.

Die seit 1997 verliehene »Ehrengabe zum Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung« wurde bisher an drei Persönlichkeiten vergeben, die durch ihr Lebenswerk in besonderer Weise im Sinne des Preises gewirkt haben: Jirí Grusa, Imre Kertész und Harald Weinrich.

Die lebhafte Resonanz auf die zahlreichen von der Stiftung angeregten und unterstützten Lesungen der Preisträger an Schulen, Büchereien und Theatern im gesamten deutschsprachigen Raum zeigt das hohe Interesse an dieser Literatur. Es macht den besonderen Charakter des Adelbert-von-Chamisso-Preises aus, dass er nicht allein in einer Prämierung besteht, sondern durch eine Begleitförderung das Lesen der Autoren gerade an Schulen möglich macht.

Die Robert Bosch Stiftung veranstaltet in unregelmäßigen Abständen Chamisso-Tage, die an unterschiedlichen Orten im deutschsprachigen Raum durchgeführt werden, zuletzt 2003 in Basel. Im Oktober 2007 werden die Chamisso-Tage im Ruhrgebiet stattfinden. Sie vergibt darüber hinaus Arbeitsstipendien an die Preisträger und fördert eine Chamisso-Poetikdozentur an der Technischen Universität Dresden. Ein Katalog begleitet eine Fotoausstellung zu den Preisträgern, die in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut im deutschsprachigen Raum und bereits in weiten Teilen Europas präsentiert wurde.

Kontakt

Frank Albers
Telefon 0711 46084-51