"Es war einmal…" – Szenisches Spiel und kreatives Schreiben im interkulturellen Vergleich, Changchun/China
Benjamin Huhn, Lektor in Blagoweschtschensk/Russische Föderation 2010-2011
und
Wiebke Hoffmann, Lektorin in Changchun/China 2010-2012
Deutsche Literatur als "Brücke" über Grenzen? Die Ergebnisse des Projekts "Es war einmal…" – Szenisches Spiel und kreatives Schreiben im interkulturellen Vergleich“ sprechen für sich. Germanistik-Studierende der Staatlichen Amur-Universität Blagoweschtschensk (Russische Föderation) und der Jilin Huaqiao Fremdsprachenhochschule (Changchun/China) nahmen im Juni 2011 an einer Seminarwoche in Changchun teil. Durch die Auseinandersetzung mit dem Märchen "Aschenputtel" und die Verständigung in der Sprache Deutsch gelang eine Annäherung an kulturelle Unterschiede und aus Fremden wurden Freunde. Empathie und das Vermögen, über Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten, gehören ebenso zu den Lernerfahrungen der Teilnehmenden, wie die Auseinandersetzung mit deutscher Sprache und Kultur.
Die Erfahrung von Andersartigkeit erfolgte zuerst auf der Ebene der Kommunikation: In gemischten Gruppen nahmen die Teilnehmenden wahr, welche Bedeutung der eigene kulturelle Hintergrund für die Deutung eines Märchens hat – und wie verschieden die Interpretationsmöglichkeiten sein können.
Kreative Schreibprozesse ermöglichten eine gemeinsame Verständigung und Aneignung des Märchens, die Teilnehmenden reflektierten über die Bedeutung von Märchen und übersetzten die Geschichte in ein Drehbuch. Diese Drehbücher bilden die Grundlage für einen Theaterworkshop unter fachmännischer Leitung und die szenische Darstellung der Geschichte durch die Studierenden. Die Aufführungen zeigen, wie in einer heterogenen Gruppe Teams entstehen und wie die Menschen die kulturellen Unterschiede zu "überbrücken" gelernt haben.