Projekte

Dr. med. Tania Zieschang

Kurzprofil

1984 - 1988: Studium der Mathematik, Lomonossov-Universität Moskau, Ruhr-Universität Bochum
1985 - 1992: Studium der Medizin, Ruhr-Universität Bochum
1994: Promotion bei Prof. Dr. W. von Seelen, Institut für Neuroinformatik und Prof. Dr. U. Eysel, Institut für Neurophysiologie, Ruhr-Universtät Bochum:
„Messung der in Textur enthaltenen Tiefeninformation mit Hilfe des Größenkonstanzmechanismus. Ein psychophysisches Experiment“
seit 01/ 2010: Oberarztstelle am AGAPLESION BETHANIEN KRANKENHAUS HEIDELBERG seit Januar 2010

Förderzeitraum: 06/ 2006 bis 05/ 2009
Titel des geförderten Projekts: Körperliches Training bei älteren Menschen mit kognitiver Einschränkung.
Zentrum: AGAPLESION BETHANIEN KRANKENHAUS HEIDELBERG, Geriatrisches Zentrum der Universität Heidelberg
Mentoren: Prof. Dr. Peter Oster, Prof. Dr. Klaus Hauer

Körperliches Training bei älteren Menschen mit kognitiver Einschränkung. Nachbeobachtung nach zwölf Monaten

Hintergrund
Menschen mit kognitiver Einschränkung stellen eine Hochrisikogruppe bezüglich des Rückgangs der motorischen Leistungsfähigkeit, des Verlusts der Unabhängigkeit und der Zunahme von schweren Stürzen dar. Kraft- und Balancedefizite tragen nachweislich zu erhöhtem Sturzrisiko und vermehrtem Auftreten von schweren Verletzungen bei, im Vergleich zu nicht dementen Personen der gleichen Altersgruppe.

Fragestellung
Es sollte nachgewiesen werden, dass ein körperliches Training auch bei Personen mit kognitiver Einschränkung erfolgreich durchzuführen ist. Es gibt Hinweise, dass sich die funktionelle Leistungsfähigkeit verbessern kann. Wegen methodischer Mängel wie zu kleiner Stichprobengröße, inadäquater Erfassung der Leistungsfähigkeit und nicht standardisiertem, auf diese Personengruppe nicht angepasstem Training sind jedoch die bisher vorhandenen Daten wissenschaftlich nicht ausreichend.
Da bislang keine Untersuchungen zur Methodik der Sturzerfassung, die meist auf Selbstangaben beruht, bei Menschen mit Demenz vorliegen, sollten in dieser Studie mehrere etablierte Methoden der Sturzerfassung parallel durchgeführt werden, um die Durchführbarkeit, Re-Test-Reliabilität und die Validität zu prüfen.

Durchführung
Auf der Grundlage vorheriger erfolgreicher Trainingsstudien mit geriatrischen Patienten wurde am Bethanien Krankenhaus unter der Leitung von Prof. Dr. Hauer ein standardisiertes Bewegungsprogramm entwickelt, das sich sowohl an den spezifischen Defiziten als auch an den verbliebenen Fähigkeiten dieser Personengruppe orientiert. In der randomisiert kontrollierten Studie wurden Patienten mit nachgewiesener leicht- bis mittelgradigen Demenz zufällig entweder der Interventionsgruppe oder der Kontrollgruppe zugeführt.
Die Patienten in der Interventionsgruppe erhielten über 12 Wochen zweimal wöchentlich ein progressives Kraft-, Balance- und funktionelles Training. Die Kontrollgruppe erhielt über den gleichen Zeitraum zweimal pro Woche eine unspezifische „Hockergymnastik“.
Vor Beginn des Trainings (T1), nach Abschluss (T2) und 3 Monate nach Abschluss (T3) des Trainings wurden motorische, funktionelle, kognitive und emotionale Parameter mit standardisierten, etablierten Methoden erhoben. Im Rahmen des geförderten Projektes wurde zu Untersuchung der Nachhaltigkeit von Trainingseffekten eine Langzeitnachuntersuchung 12 Monate nach Beginn des Trainings (T4) mit derselben Methodik von Frau Dr. Zieschang durchgeführt.
Als zweiter Teil des geförderten Projektes erfolgte durch Frau Dr. Zieschang eine prospektive Erfassung der Sturzhäufigkeit mit mehreren etablierten Methoden über den gesamten Beobachtungszeitraum von 12 Monaten.

Ergebnisse
Durch das intensive Trainingsprogramm konnten erhebliche motorische Verbesserungen (T2) in dem Patientenkollektiv (n=122) erzielt werden. Die funktionellen Trainingeffekte (u.a. Aufstehen vom Stuhl, Gehgeschwindigkeit) waren auch nach 9 Monaten ohne Training (T4) mit signifikanten Gruppenunterschieden nachweisbar. Bezüglich der reinen Kraftparameter, waren die Gruppenunterschiede in der Langzeitnachuntersuchung nicht mehr statistisch signifikant. Da die Funktionalität und Selbstständigkeit der wesentliche Faktor für die Lebensqualität bei Menschen mit Demenz darstellt, unterstreichen diese Ergebnisse die Notwendigkeit, Menschen mit Demenz entsprechende Trainingsangebote und Rehabilitationsmöglichkeiten anzubieten.

Publikationen zum Projekt

  • Hüger Daniel, Zieschang Tania, Schwenk Michael, Oster Peter, Becker Clemens, Hauer Klaus. Designing studies on the effectiveness of physical training in older adults with cognitive impairment. Zeitschr Gerontol Geriatr 2009;42:11-19.
  • Schwenk M, Zieschang T, Oster P, Hauer K. Dual-task performances can be improved in patients with dementia. A randomized controlled trial. Neurology 2010; 74(24):1961-1968. May5 [Epub ahead of print].
  • Zieschang T, Schwenk M, Becker C, Oster P, Hauer K. Feasibility and accuracy of fall reports in persons with dementia: a prospective observational study. Int Psychogeriatr. 2012;24: 587-598. (2011Dec 6:1-12. [Epub ahead of print]).
  • Hauer K, Schwenk M, Zieschang T, Essig M, Becker C, Oster P. Physical training improves motor performance in people with dementia: a randomized controlled trial. J Am Geriatr Soc. 2012;60:8-15. (2011 Dec 28. doi: 10.1111/j.1532-5415.2011.03778.x. [Epub ahead of print]).
  • Zieschang T, Hauer K, Schwenk M. Körperliches Training bei Menschen mit Demenz (Physical exercise in patients with dementia). Dtsch Med Wochenschr. 2012 Aug;137(31-32):1552-5. doi: 10.1055/s-0032-1305114
  • Zieschang T, Schwenk M, Oster P, Hauer K. Sustainability of Motor Training Effects in Older People with Dementia. J Alzheimers Dis. 2013;34,191-202 .(2012 Nov 30. [Epub ahead of print]). 

Nach der Förderung

Projekt
T. Zieschang, M. Wolf, T. Vellappallil, D. Kopf:
„Hyponatriämie als Auslöser von Delirien im geriatrischen Krankenhauskollektiv“: Prospektive Fall-Kontrollstudie, Erhebung abgeschlossen, Publikationen in Vorbereitung.