Gemeinsam für kinderfreundliche Städte

Europäisches Städtenetzwerk "Cities for Children" in Stuttgart gegründet

Zwei Tage lang waren Kinder das beherrschende Thema im Stuttgarter Rathaus. Anlaß war das internationale Netzwerk "Cities for Children", das am 25. und 26. Juni unter Beteiligung von 64 Städten aus mehr als 20 europäischen Ländern seine Arbeit aufgenommen hat. Das klare und durchaus ambitionierte Ziel des Netzwerks: Städte müssen familien- und kinderfreundlicher werden. Denn angesichts überalternder Stadtgesellschaften soll es jungen Leuten wieder leichter gemacht werden, sich für eigenen Nachwuchs zu entscheiden.

"Die Stuttgarter Idee ist auf breite Resonanz gestoßen", freute sich Wolfgang Schuster, Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart, der "Cities for Children" gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung initiiert hat. Auch Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, bedankte sich für den Einsatz und den Enthusiasmus der zahlreichen Mitwirkenden: "Die hochrangige Teilnahme von 170 Entscheidungsträgern aus ganz Europa zeigt mir, dass die Initiative auf denkbar fruchtbaren Boden gefallen ist". So warben neben Schirmherrn Vladimir Špidla, EU-Kommissar für Soziales, die deutsche Unicef-Vorsitzende Heide Simonis, Sozialministerin Dr. Monika Stolz und DaimlerChrysler-Vorstand Andreas Renschler für die Anliegen des Netzwerks.

Nicht einen Moment habe er gezögert die Schirmherrschaft für "Cities for Children" zu übernehmen, sagte Špidla auf dem Gründungskongress. Gerade angesichts der Tatsache, dass sich der Anteil der urbanen Bevölkerung stetig vergrößere, sei es besonders wichtig, die Bedingungen für Kinder und Familien in Städten zu verbessern. "Darüber hinaus veranlasst uns aber auch der Blick in die Zukunft, für kinder- und familienfreundliche Städte zu sorgen", so Špidla. "Denn die derzeitige demographische Entwicklung erfordert eine umfassende politische Reaktion. Viele Länder sind wegen ihrer sehr niedrigen Geburtenrate beunruhigt." Tatsächlich herrscht nicht nur in Deutschland eine demographische Schieflage. In ganz Europa drohen die Städte zu vergreisen und Familienstrukturen zu zerbrechen, da sich immer mehr Menschen gegen oder nur für wenige Kinder entscheiden. "Wenn weniger Kinder geboren werden, dann müssen wir uns intensiver und besser um die Kinder kümmern, die wir haben. Kein einziges von ihnen darf zurückbleiben", so auch Dr. Ingrid Hamm. Umsetzten will "Cities for Children" diese Forderung durch gemeinsame Initiativen und Informationsaustausch unter den Städten. Auch durch den Transfer guter Beispiele hoffen die Teilnehmer, die städtischen Lebensbedingungen für Kinder und Familien innerhalb der Europäischen Union verbessern zu können.

Rund 40 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern – darunter München, Barcelona, Den Haag, Rotterdam, Turin, Warschau und Zürich – nutzten auf dem zweitägigen Gründungskongress von "Cities for Childern" die Gelegenheit, sich dem Netzwerk anzuschließen. Darüber hinaus tauschten die Teilnehmer des Gründungskongresses in Arbeitsgruppen Erfahrungen und Konzepte unter anderem zu den kommunalen Aufgabenbereichen Erziehung, Gesundheit und Sicherheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zur Partizipation von Jugendlichen aus. Zu Letzterem berichtete Den Haags Bürgermeister Sander Dekker, für den es selbstverständlich ist, bei allen stadtplanerischen Entscheidungen Jugendliche mit einzubeziehen. Sein Credo: Nicht über, sondern mit Kindern reden. Wichtig ist es, Jugendliche ernst zu nehmen, ihnen Verantwortung zu übertragen und Vertrauen entgegen zu bringen, so Dekkers Fazit.

(Juni 2007, Ute von Figura)