Grenzgänger

Dagmar Schwelle:

Dagmar Schwelle ist 1970 in Wien geboren. Sie studierte Rechtswissenschaften, arbeitete danach als Redakteurin bei „Die Presse“ und „profil“, erst im außenpolitischen, dann im innenpolitischen Ressort. 2002 beschloss sie, vom Wort zum Bild zu wechseln, und ging nach Kanada, um Fotografie zu studieren. Sie lebt als freie Fotografin in Berlin.
Die da drüben – Geteilte Grenzstädte in Europa

Nachdem die schmerzlich sichtbare Grenze des Eisernen Vorhangs in der rasanten Erweiterung der Europäischen Union untergegangen ist, spürt die Fotografin Dagmar Schwelle in ihrem Buch den verborgenen Grenzen und neu gewonnenen Gemeinsamkeiten nach. Mit Bildern und Interviews erkundet sie Schnittpunkte und Brüche in vier Grenzstädten, dokumentiert, wie sich große Geschichte im privaten Lebensbereich auswirkt. In Gmünd/České Velenice, an der österreichisch-tschechischen, und in Guben/Gubin, an der deutsch-polnischen Grenze, ist zu spüren, dass die Menschen dies- und jenseits noch immer nicht so recht miteinander wollen. Ganz anders die Entwicklung in den geteilten Städten weiter im Nordosten: In Valka/Valga (Lettland/Estland), aber noch viel intensiver in Narva und Ivangorod (Estland/Russland), die bis 1991 eine Einheit bildeten und nun durch die EU-Außengrenze getrennt werden, führen die neuen Grenzen zu einer deutlichen Entfremdung.

Bild-Text-Band
136 Seiten, gebunden, 116 Farbfotos
Edition Fotohof im Otto Müller Verlag, Salzburg, April 2007
ISBN: 978-3-7013-1128-6

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Bildergalerie

„Als jemand, der in Wien und somit ganz nah am Eisernen Vorhang aufgewachsen ist, wollte ich erkunden, wie sich die inneren Landkarten der Europäer nach 1989 verändert haben. Zur Recherche wählte ich vier geteilte Grenzstädte, jene kuriosen Orte, die aus den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts hervorgegangen sind. In České Velenice/Gmünd an der tschechisch-österreichischen und in Guben/Gubin an der deutsch-polnischen Grenze konnte ich beobachten, wie schwer die jahrzehntelang bestehende Trennung zu überwinden ist, in Narva/Iwangorod (Estland/Russland) und Valka/Valga (Lettland/Estland) dagegen, wie rasch neue Grenzen zur Entfremdung der Nachbarn führen.

Die Gemeinsamkeiten und Brüche in den geteilten Städten versuchte ich durch Fotos einzufangen. Ergänzend dazu befragte ich Bewohner nach ihrem Bild von sich selbst und den anderen da drüben, von Osten und Westen und von Europa. Dabei zeigte sich, dass natürlich auch direkt an Grenzen, denen nachgesagt wird, Identität zu stiften und für Ordnung zu sorgen, in all diesen Fragen große Verwirrung herrscht.“