Robert-Bosch-Krankenhaus und Forschungsinstitute

Der Weg bis zum Laptop am Krankenbett.

Neue Dauerausstellung zur Geschichte des Robert-Bosch-Krankenhauses

Was erwartet den Besucher? Robert Bosch in Lebensgröße.  Er betritt das Robert-Bosch-Krankenhaus anlässlich der Eröffnung im Jahre 1940 und formuliert, was er von der Klinik und seinen Mitarbeitern erwartet und wie sie sich das Vertrauen der Patienten sichern kann. Möglich geworden ist das durch die im Juli 2006 eröffnete Dauerausstellung in der neuen Eingangshalle des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK). Diese Ausstellung, die in jahrelanger Arbeit vom Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung wissenschaftlich erarbeitet wurde, gewährt spannende Einblicke in die Geschichte des Stiftungskrankenhauses. Zahlreiche Bilddokumente, kurze Erläuterungstexte, Ausstellungsstücke und Medienstationen verschaffen einen Überblick über Geschichte und Gegenwart des Hauses. Eine Hör- und verschiedene Bildschirmstationen sorgen für Abwechslung.  Licht wird zum bedeutenden Gestaltungselement und seine Leuchtkraft lockt den Betrachter hin zur Ausstellung und den Anfängen von 1940.

Besucher staunen über ein äußerst geräumiges Patientenzimmer sogar mit Balkon. Treffen auf den deutschlandweit modernsten Operationssaal seiner Zeit und erfahren, dass in der eigenen Bäckerei Brot gebacken und in der Gärtnerei Gemüse nach biologischen Grundsätzen gezogen werden konnte. Die groß gedruckten Zitate Robert Boschs zeigen einen Mann mit Weitblick, der seiner Zeit voraus war. In den Krankenhausrichtlinien (1941) sagt er: "Ich bin mir bewusst, dass die wirtschaftlichen und kulturellen Zustände und Bedürfnisse immerwährenden Wandlungen unterworfen sind. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, meine Richtlinien auf dem Wege der Fortentwicklung den jeweiligen Veränderungen der Verhältnisse ständig anzupassen." Die Ausstellung macht deutlich, wie sich die Entwicklung des Krankenhauses seit 1940 zum heutigen Gesundheitsunternehmen RBK auf der Grundlage der Bosch-Philosophie vollzogen hat. Der Reiz liegt darin, dass der Betrachter kontrastierend vom Historischen zum Aktuellen geführt wird. Neben der Herrenberger Schwester, die einer Patientin ihre Krankenpost ans Bett bringt, sehen wir die Patientin von heute mit Laptop im Krankenbett. Wir sehen das Röntgengerät von 1940 neben dem hochtechnologischen Computertomografen von heute. Eine aufwändig zu  reinigende Spritze neben dem Einmalprodukt der Gegenwart. Einige historische Fotos sind echte "Schmankerl", wie zum Beispiel Robert Bosch im Labor, eine Wasseranwendung in der alten Bäderabteilung oder eine Aufnahme, die die Herrenberger Schwestern im Wohnzimmer des Schwesternwohnheims zeigt, wie sie strickend, spielend oder ruhend ihren Feierabend in Gemeinschaft verbringen. Die Ausstellung ist eine Besonderheit in der deutschen  Krankenhauslandschaft. Es hat zwar an verschiedenen Orten Versuche gegeben, ein Krankenhausmuseum zu errichten oder auch die Geschichte einer Klinik mit einigen Vitrinen und Schautafeln zu vergegenwärtigen. Doch gab es bislang keine Dauerausstellung zur Geschichte eines Krankenhauses, die modernsten technischen und museumsdidaktischen Ansprüchen genügt. Auch hier haben Stiftung und Krankenhaus zusammen wieder einmal Maßstäbe gesetzt.

(Oktober 2006, Ute Grießhaber-Paule)