Europa im Forschungswettbewerb

Robert Bosch Stiftung initiiert Wissenschaftskonferenz Euroscience Open Forum.

Die junge Konferenzserie Euroscience Open Forum (ESOF) ist schon jetzt das größte Schaufenster für europäische Wissenschaft. Ingrid Wünning, Leiterin Wissenschaft und Forschung bei der Robert Bosch Stiftung, war Vizevorsitzende von ESOF 2006 und wird als Co-Chair gemeinsam mit dem Spanier Enric Banda ES0F 2008 in Barcelona ausrichten. RBSG sprach mit ihr.

RBSG: Das Euroscience Open Forum fand nach der Premiere in Stockholm 2004 in diesem Jahr in München statt. Wie lautet Ihr Fazit?
München war die Feuertaufe für ESOF und die haben wir erfolgreich bestanden. Das bestätigen die positiven Rückmeldungen von Teilnehmern und das enorme Medienecho. Insgesamt präsentierten und diskutierten in München 2154 Forscher, Journalisten, politische Entscheidungsträger und Forschungsförderer aus 58 Ländern wichtige Trends aus Forschungspolitik und Wissenschaft. Der Fokus lag dabei auf Europa. Es gab auch Einblicke in die amerikanische und asiatische Forschung.

RBSG: Gab es einen speziellen Münchener ESOF-Geist? Was war anders als in Stockholm?
Neu oder anders, aber ganz typisch im Sinne München war die Art des informellen Austauschs. Im Science Biergarten diskutierte etwa der engste wissenschaftliche Berater der schwedischen Regierung, Hans Wigzell, zwanglos mit französischen Mathematikern und Philip Campbell, dem Chefredakteur von Nature; junge Wissenschaftler nutzten die Veranstaltung "Pretzel with the Prof" und löcherten Nobelpreisträger und andere bekannte Forscher mit ihren Fragen; Wissenschaftsjournalisten tauschten Erfahrungen mit ihren Kollegen aus anderen Ländern aus.

RBSG: Ein europäisches Treffen, um einander kennen zu lernen?
Im Prinzip ja, aber mehr. Die europäische Scientific Community ist in München ein gutes Stück zusammengewachsen. Das ist wichtig, denn nur gemeinsam kann Europa seine wissenschaftlichen Potentiale im internationalen Wettbewerb voll ausschöpfen.

RBSG: Welche Rolle spielt denn die Wissenschaft in der europäischen Gesellschaft?
Für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas spielt Wissenschaft eine zentrale Rolle. Unsere Kanzlerin gilt als ausgesprochen forschungsfreundlich, sie hat das Forschungsbudget erhöht, aber bei konfliktgeladenen Themen, wie der Stammzellenforschung oder dem Klimaschutz, neigt man bei uns in Deutschland noch zur Vorsicht.

RBSG: Sind andere Länder weiter?
Andere europäische Länder, wie etwa England, sind wissenschaftlich mutiger. Hinsichtlich ihrer Ausgaben für Forschung sind die meisten europäischen Länder noch weit von den in Lissabon für 2010 vereinbarten drei Prozent des Bruttosozialprodukts entfernt. Das liegt auch daran, dass der Platz der Wissenschaft in der Gesellschaft in Europa alles andere als garantiert ist!

RBSG: Warum engagieren sich die Robert Bosch Stiftung und Sie für ESOF?
Gemeinsam mit dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft hat die Robert Bosch Stiftung ESOF 2006 nach München geholt. Bislang hat die Stiftung ESOF mit insgesamt 680.000 Euro unterstützt und maßgeblich mitgestaltet. Ein wichtiges Ziel ist die Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland und Europa. ESOF wird dabei eine ganz zentrale Rolle spielen.

(Oktober 2006, Josef Krieg)