Adelbert-von-Chamisso-Preis 2007 an Magdalena Sadlon
München – 27. Februar 2007 – Die in der Slowakei geborene Autorin Magdalena Sadlon erhält den mit 15 000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis 2007. Förderpreisträgerinnen (jeweils 7000 Euro) sind Luo Lingyuan und Que Du Luu. Seit 1985 verleiht die Robert Bosch Stiftung den Adelbert-von-Chamisso-Preis an deutsch schreibende Autoren nicht deutscher Muttersprache. Der Literaturpreis ist der einzige seiner Art im deutschsprachigen Raum.
„Die Rolle und Wahrnehmung der Chamisso-Preisträger innerhalb der deutschsprachigen Literatur ist in den vergangenen Jahren immer bedeutender geworden“, sagt Dieter Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung, bei der Preisverleihung in der Allerheiligen-Hofkirche, Residenz München. „Chamisso-Autoren sind weit davon entfernt, nur eine Nische in der deutschsprachigen Literatur zu besetzten. Sie sind selbstredend prägender und unverzichtbarer Teil deutscher Gegenwartsliteratur.“
Die in Wien und der Slowakei lebende Autorin Magdalena Sadlon erhält den Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung (15 000 Euro) für ihre beiden bisherigen Romane „Die wunderbaren Wege“ (1999) und „Solange es schön ist“ (2006). Sie schreibt, so die Jury, ihre perfekte Prosa, in der sie die Perspektiven souverän wechselt, in einem ganz eigenen, ungewöhnliche Menschenkenntnis verratenden Ton. Ihr äußerst raffiniert konstruierter und sprachlich ausgereifter Roman „Solange es schön ist“ stellt eine gekonnte Mischung aus gelegentlichem Zynismus und humaner Warmherzigkeit dar. Die Autorin wirft einen bösen Blick hinter geschlossene Wohnungstüren und auf die Bewohner eines Wiener Wohnhauses, in dem sich scheinbare Normalität zu einem unheimlichen Szenario mit einem schrecklichen Ende entwickelt.
Luo Lingyuan erhält den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis (7000 Euro) für ihren 2005 erschienen Band „Du fliegst jetzt für meinen Sohn aus dem fünften Stock!“, deren berührende Erzählungen den von oft brutaler Missachtung der Menschenwürde gekennzeichneten chinesischen Alltag eindrucksvoll beleuchten und die den Leser tief ergreifen. Die zweite Förderpreisträgerin Que Du Luu wird ausgezeichnet für ihren 2006 erschienenen Roman „Totalschaden“. Darin erzählt sie rasant und bisweilen grotesk die witzige Geschichte eines menschenscheuen Jungen, der seinen Vater verliert, als seine Mutter Einstein auf der Straße stehen sieht und daraufhin dem Gatten ins Lenkrad greift. Sie beweist mit diesem Roman ihre erzähltechnische Brillanz, und ihre außergewöhnliche Begabung für gute Dialoge.
Foto: Markus Kirchgessner
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