Bellevue-Programm

Ziel

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union stehen mit fortschreitender Integration vor der Herausforderung, neue Formen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu entwickeln. Das Verwaltungshandeln wird zunehmend von europäischen Rechtsnormen bestimmt, die Kompetenzausweitung der EU berührt heute auch traditionell nationale Politikbereiche. Gleichzeitig erfordern innen- und sicherheitspolitische Themen wie beispielsweise Migration multilaterale Abstimmung und gemeinsames Vorgehen.

Doch der Aufbau von Arbeitsbeziehungen über Ländergrenzen hinweg wird nicht von Institutionen geleistet, sondern von den Menschen, die in ihnen arbeiten. Persönliche Netzwerke und Verständnis für die unterschiedlichen Arbeitskulturen sind notwendig, um die Barrieren der nationalen Verwaltungen zu überwinden.

Wie können die Mitarbeiter nationaler Ministerien auf diese Anforderungen vorbereitet werden? Exzellente akademische Ausbildung und Qualifizierung im nationalen Verwaltungssystem sind die Grundlage. Darauf aufbauend sollte jeder Beamte, der in europäischem Kontext Verantwortung übernimmt, über längere Zeit praktische Erfahrung in einem anderen europäischen Mitgliedsstaat sammeln.

Hochqualifizierten Nachwuchsführungskräften aus den obersten Staatsbehörden von zehn EU-Mitgliedsstaaten wird ein 12-monatiger Arbeitsaufenthalt in einem der Partnerländer ermöglicht.

Das Programm setzt auf zwei Ebenen an: Einerseits wird die fachliche, interkulturelle und europapolitische Kompetenz der Beamten gefördert und so ihr Potential für die Übernahme von Führungspositionen gestärkt. Andererseits wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der beteiligten Ministerien angeregt und damit deren Europafähigkeit gesteigert.

Bewusst ist das Bellevue-Programm nicht bilateral, sondern als Ringtausch zwischen europäischen Partnerländern angelegt. Langfristig entsteht so ein europaweites Netzwerk von Führungskräften der öffentlichen Verwaltung.

Das Bellevue-Programm ist durch seine Dauer, Intensität und die Anzahl der teilnehmenden Länder in Europa einzigartig.

Das Programm wurde von der Robert Bosch Stiftung gemeinsam mit dem Bundespräsidialamt 2004 ins Leben gerufen. Es trägt den Namen von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Die Robert Bosch Stiftung stellt die finanziellen Mittel für das Programm bereit und ist für die organisatorische Durchführung verantwortlich.